den Hebel aller Dinge. Je zuverſichtlicher ich an meinen Plan gegangen war, je niedergeſchlagener wurde ich, da endlich die Unzulänglichkeit meiner Kräfte ſich mir nicht verhehlen konnte. Indeſſen hatte ich mein Wort gegeben, und mehr als das Wort feſſelte mich die Leidenſchaft. Ich gerieth auf den abentheuerlichſten Gedanken. Der Werbkapi⸗ tän war am vorigen Tage angekommen; ein Franzoſe, leicht und gefallig im Benehmen; ein feiner Mann, der unter den Neuangeworbenen gerade mich zu ſeinem Bedienten wählte, weil er in mir eine beſſere Bildung entdeckte;— weil ich ihm gefiel. Ich weiß nicht, wie es kam,— aber ich glaubte in dem Betragen des Mannes eine gewiſſe Ritter⸗ lichkeit zu verſpüren; ich faßte mir ein Herz; ich ſprach mit ihm ungefähr ſo, wie in Balladen und Romanen der dienſt⸗ fertige Zwerg zum Paladin redet, den er zur Rettung einer im Thurme des Rieſen gefangenen Dame aufzufordern ge⸗ denkt. Zum Glück fand auch der Kapitän die Sache artig und ſeltſam genug. Ein niedliches Mädchen befreien, deſſen Rettung ich ganz ſeiner Macht und Großmuth allein an⸗ heimſtellte,— das reizte ihn. Er ahnte nicht den Zuſam⸗ menhang, den mein Herz mit der Geſchichte hatte. Er ſah. vielleicht ein galantes Abentheuer in der Ferne. Mir alles gleichviel, weil er nur zuſagte. Litzach brachte die Botſchaft auf den Thurm. Wir warteten um die zehnte Stunde der Nacht unfern des Thurms, mit Wagen und Pferd. Ein ärgerliches Zwiſchenſpiel hätte uns beinahe alles verdorben. Das unglück will, daß in derſelben Nacht ein Ohrenbläſer dem Bürgermeiſter die Anzeige macht, daß auch Pahlens zu der entlarvten Sekte gehört. Es wird Wache abgeſchickt, den Thürmer einzuziehen und nachzuſuchen, ob er nicht
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3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1838)
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