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„Ich weiß mein Sohn. Die That war brav und würdig. Aber, was Du ihr geopfert,.. das zerriß mein Herz, da ich's erfuhr!“—
„Gott führt uns auf allen Wegen;“ verſetzte James; „nur auf dieſe Weiſe konnte mirs gelingen, Juſtine aus Angſt und Gefahr zu erretten.“
„Du haſts gethan?“ fragte Münzner überraſcht:„das iſt mehr, als ich gehofft. Ich glaubte ſie unter Proteſtanten auf ewig und auf immer verloren!“
„Nicht doch, mein Vater!“ fuhr James fort; und erzählte von Juſtinens Abentheuern auf dem Thurme, von ihrem zufälligen Wiederfinden, von dem Entſchluſſe, ſie von der Gefahr, die ihr die Lainez und der Thürmer bereiteten, zu befreien.
„Ich liebte das Mädchen;“ ſagte er mit ſchwärmeriſchem und wehmüthigem Feuer:„ich glaubte damals, von Juſtine geliebt zu ſeyn. Mit welchem Auge konnte ich ihre Lage anſehen? ſie in des Superiors Händen? ſie in einem Kloſter? während ich in meiner Unbeſonnenheit den Augenblick ſchon nahe träumte, wo ich als geachteter Offizier, um ihre Hand würde werben können? ich trug erſt ſeit zwei Tagen die Uniform des Gemeinen; meine Einbildungskraft war Jahr⸗ zehende vorausgeeilt, und ich wollte lieber die freie Juſtine fern von mir, in einem andern Welttheile wiſſen, als auf ewig gefeſſelt in meiner Nähe. Ich ging ans Werk. Ich ſann. Aber, die Möglichkeit? ich hatte nicht Freunde, nicht Bekannte. Die Uniform ſchützte mich nur, daß man nicht in mir die rechte Hand des Doctors Leupold entdeckte, über deſſen wahren Beruf man aufs Reine gekommen war.— Ich durfte mich nirgends bloß geben. Ich hatte kein Geld⸗


