Teil eines Werkes 
3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1838)
Entstehung
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die Furcht der Indianerin. Aber zu gleicher Zeit ließ ſich aus der Ferne, vom Eingange der Miſſion kommend, das Geſchrei und Getümmel der heimkehrenden Horde vernehmen, die in den Savannen geweſen war, um Ochſen zu fangen⸗ zu ſchlachten, zu häuten.

Sie kommen! rief Ines, zufrieden geſtellt, und ging nach der Hausthüre, durch die Ritze zu lauſchen.

Hätte ich doch beinahe meines Gaſts vergeſſen! ſagte inzwiſchen der Pfarrer zu ſich ſelbſt⸗ mit einem ungeheuchel⸗ ten Vorwurfe:wie zerſtreut doch das Alter macht! abſon⸗ derlich, wenn man ſich eines wiedergefundenen Kindes, und deſſen Geſchwätzes erfreut! Er trat an die kleine Stiege, und rief hinan:Pater Faver! Pater Faver! nicht zu Hauſe?

Keine Antwort. Der Pfarrer warf geſchäftig ſeinen Regen⸗ mantel über, ſtülpte den Rohrhut mit den beiden waſſerdich⸗ ten Krempen auf, und ſchritt, ſo ſchnell es anging, nach dem kleinen Gärtchen vor, das zwiſchen Hof und Ackerfeld gelegen, den Hintertheil des Gebäudes begränzte. Unter dem Stamme einer mächtigen Algarova*) ruhte der Ge⸗ ſuchte; vor ſich hinſtarrend in die Sturm brauende Luft; horchend auf das Wellenſchlagen der unfern ſtrömenden Pa⸗ rana, verſunken in den Anblick der zum Schrecken ſich rüſten⸗ den Natur, ohne vor ihr zu zittern; fühlloſen Körpers, un⸗ bewußten Geiſtes. Die Stimme des Pfarrers rief ihn zum klaren Bewußtſeyn zurück. Er ſah ſich um und fragte: Was wollen Sie, mein Freund?

*) Johannisbrodbaum in Paraguay.