Teil eines Werkes 
3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 3. Band (1838)
Entstehung
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verſchloß:Du haſt Deine Schuldigkeit gethan. Suche den Weg nach Deiner Weide, ehe der Blitz kömmt! Dann näherte ſie ſich etwas ſchüchtern dem Geiſtlichen, ſenkte den Kopf und fragte freundlich:Habe ich Dir Angſt gemacht, lieber Vater? Ich mußte Dir ja den Liebling wieder brin⸗ gen. Das leichtſinnige Thier, verſpielt und poſſenhaft wie es iſt, hatte ſich gewiß ſchäckernd von der Rinderheerde ent⸗ fernt und in den Wald verlaufen. Es dauerte lange, bis das faule Reh, im Schatten raſtend, meinen Ruf und ich ſeine Schellen vernahm. Ich meinte faſt, ein Tiger hätte ſich ſeiner bemächtigt. Doch endlich, die Jungfrau ſey ge⸗ lobt, kann ich Dir's wiederbringen, Vater Luis!

Und gehſt von Hauſe, ohne zu ſagen wohin? verſetzte der Pfarrer gekränkt:und ſetzeſt Dich ſelbſt, in Wald⸗ ſchluchten dringend, dem Tiger, durch ſftille Waſſer reitend⸗ dem Krokodil aus, Du böſes, unbeſonnenes Kind? Glaubſt Du vielleicht, ich ſey dem Rehe in höherem Grade gut, als Dir? Habe ich Dich nicht von zarten Kindesbeinen an ge⸗ pflegt und gewartet? habe ich Dich nicht getauft, und ſomit zum zweitenmale und edler geboren, als Deine Mutter es gethan?

Ines ergriff ſchmeichelnd des Pfarrers Hand und küßte ſie. Er dankte ihr nun für den Liebesdienſt und fügte bei: Ich habe verziehen! Sieh' zu, wie Du mit dem grämlichen Strutto, dem Dragonervogel fertig wirſt, der heute die neckende Spielgefährtin ſehr verdrüßlich vermißte.

Ines klopfte ſchäckernd die Bruſt des großen Vogels und ſagte hierauf:Ich will's einbringen, guter Burſche. Schlüpfe indeſſen nur in die Scheuer. Die Wolken kommen