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und dem Alkalden der Miſſion die Arbeiten und Verhal⸗ tungsregeln für den nächſten Tag aufzugeben, und zog ſich ſodann in den Hof ſeines Hauſes zurück. Das mannigfaltige Federvieh, das dieſen Hof belebte, hatte ſich vor dem in der Ferne brauſenden Gewitter in die Ställe geflüchtet. Der zahme Straußvogel des Pfarrhauſes allein ging ſtolz und aufgerichteten Hauptes mit gewöhnlicher Gravität auf dem zierlich geſtampften Platze umher, und lüftete die Flügel dem ſtreichenden Luftzuge entgegen. Der Pater ſtreichelte ſeine wehenden Federn, und ſagte lachend zu ihm:„Du mein gu⸗ ier Freund und Haustrabant! kannſt Du mir nicht verra⸗ then, wo Dein Spielgefährte iſt, der heute ſo undankbar mein Haus verließ?“
Der Vogel ſchien altklug die langen Augenbrauen in die Höhe zu ziehen; da erklang von Ferne ein ſilberner Glöck⸗ chenton. Ein leichter Trab, dem ein ſchwererer folgte, kam jenſeits der Rohrwand, die den Hof umgab, heran. Ein ſchlanker Rehkopf ſah über die Wand; die Thüre in derſel⸗ ben ſprang unter der Pfote des Thieres aufz es trabte freu⸗
dig hindurch, mit ſchellenden Halsbandglocken, und kauerte ſich zu des Pfarrers Füßen, als ob es ſeines Ungehorſams
wegen Vergebung betteln wollte. Der Pater, angenehm überraſcht, bückte ſich, den ſchmalen, graurothen Hals zu ſtreicheln, als auch ein Pferd mit einer hübſchen Reiterin durch's Thor ſtürmte.„Ines! Ines!“ rief der Pfarrer, gut⸗ müthig verweiſend und mit dem Finger drohend. Ines ſprang jedoch, leicht wie eine Feder, von dem Pferde, und jagte es mit einem Schlage ihrer Gerte wieder in's Freie zurück. Lauf, Du wilder Negro!— rief ſie, ein wenig athemlos, indem ſie die Thüre zuwarf, und mit dem hölzernen Riegel


