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Cordula hatte Thränen im Auge und antwortete, ohne ſich zu beſinnen:„Thut ihm nichts zu Leide, lieber Vater. Ich vergebe ihm von Herzen!“
Der Pfarrer ſah ſich vergnügt im Kreiſe um, nickte der Rednerin Beifall, berührte dann das Haupt des Reuigen und ſagte ſehr ſanft:„Haſt Du's gehört, Francisco? So geh denn um Ihretwillen ſtraflos hin in Deine Hütte, faſte heute, und ſchäme Dich, damit Du morgen ein anderer Menſch ſeyſt!“ Der Getadelte küßte inbrünſtig des Pfarrers Hand, und entfernte ſich mit gebeugtem Haupte und zufrie⸗ denem Herzen.
„Seht Ihr?“ fuhr der Geiſtliche freudig zu dem lauſchen⸗ den Volke fort:„ſeht Ihr, wie viel es werth iſt, daß Ihr den wahren Gott und Heiland erkennen lerntet? Was ehe⸗ dem unter Euch nur die Schleuder oder der rachſüchtige Pfeil entſchied, ſchlichtet nun ein Wort des Friedens. So kommt denn heran, Ihr Fleißigen, Ihr Milden, Ihr Müden! Eſſet von dem Brode, das der Herr unter Euern Händen wachſen läßt; von dem nährenden Fleiſche, und trinket den Trank der Geſundheit, damit Ihr den Herrn noch lange preiſet und lobet!“
Nun ſetzte ſich die Menge in Bewegung, ſchritt in Dop⸗ pelpaaren an dem Pfarrer vorüber, empfing aus der Wage ſeiner Begleiter, Familie für Familie, Fleiſch, Mais und die erſehnte Unze Thee; dann ſprach der Geiſtliche den Segen; das Volk antwortete mit einem melodiſchen Kirchenliede, und zerſtreute ſich in ſeine ſtillen Hütten, um das Mahl zu be⸗ reiten, und auf der bequemen Ochſenhaut die Mühen des Tages und das herannahende Gewitter zu vergeſſen.— Der Pfarrer beſchäftigte ſich noch eine Weile damit, dem Regidor


