Das Billet flog zerriſſen über das Geländer. Nachdem Pahlens ſeine Geſchenke gemacht,— nachdem Litzach hin⸗ weggegangen, ſetzte ſich Juſtine in ein Winkelchen: ging mit ſich zu Rathe.„Was in aller Welt hat Herrn White zum Soldaten gemacht?“ fragte ſie ſich:„und darf ich mich wohl der Diskretion des Kapitäns anvertrauen?“— Ihre Herz⸗ haftigkeit überwand den Zweifel; ſie fühlte ſich über Furcht erhaben, und ſuchte nur nach Mitteln, dem verſchloſſenen Thurme, den Pahlens ſtets ſelber öffnete, um die beſtimmte Zeit zu entkommen.
Endlich gelangte ſie mit dem Plane auf's Reine, Sie wollte gegen die zehnte Stunde, mit welcher der ablöſende Wächter im Thurme einzutreffen pflegte, ihr Lager verlaſſen, die Treppen hinabſchlüpfen, und hinter einer Säule am Eingange den Thürmer erwarten, wenn er kommen werde, dem Wächter zu öffnen. Sie wollte alsdann herzhaft den ſchmächtigen Pahlens zurückſtoßen, und an dem Wächter vorbei durch die offene Thüre entſpringen. Pahlens Vor⸗ theil, dachte ſie, würde ihn bewegen, keinen Lärm zu machen, und der Retter nicht weit vom Thurme ihrer warten.—
Von ihren Hoffnungen ermuthigt, hörte ſie mit vieler Geduld die Schmeicheleien der Lainez, die Albernheiten des Thürmers an, womit dieſe, ihr zu gefallen, den Abend töd⸗ teten, und ſuchte frühzeitig das Lager auf. Die Laincz loͤſchte die Lampe aus, und entſchlief bald an Juſtinens Seite. Dieſe Letztere verſäumte keinen Augenblick. Sie
war angekleidet geblieben; ſie hatte das Päckchen, das ihren.
Schmuck und ihre Sparpfennige enthielt, unter ihr Kiſſen verborgen; dieſes und die Schuhe in der Hand, entriegelte ſie ſo leiſe als möglich die Thüre, fühlte ſich das ſteile Treppchen hinab. Die Stiege knarrte; Juſtine erſchrack: zum Glücke jedoch klimperte Pahlens, in dem Lehnſtuhl ſei⸗ nes Zimmerchens hingeſtreckt, auf der Laute, und kämpfte


