Teil eines Werkes 
3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1838)
Entstehung
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Der Kerl iſt ein Fremder; es hat keine Gefahr! ſagte Pahlens zu den Frauen, die ſich ſträubten, auf der Gallerie zu erſcheinen, um die Galanterien auszuwählen, die ihnen der verliebte Thürmer zu kaufen willens war.

Mein Gott! iſt das nicht Monſieur Litzach? fragte die Lainez nach einem Blicke auf den Händler. Dieſer bejahte. achſelzuckend, und freute ſich, die Madame hier zu finden.

Einer der Unſrigen! flüſterte die Franzöſin dem erſtaun⸗ ten Pahlens zu:was macht Ihr aber mit dieſem Kram? fragte ſie weiter.

Ei nun, Madame; antwortete der Schauſpieler lächelnd:

da es mit der Comödie nicht fort wollte, und meiner Wohl⸗ thäter Waizen auch nicht ferner blühte, gab ich mich einem Parfümeur als Hauſirer hin; will ſehen, ob das Geſchäft Weib und Kind ernährt! Die Herren werden mich ja für die Zukunft nicht im Stiche laſſen, ſetzte er bedeutend hinzu.

Seyd meiner Fürſprache gewiß, wenn Ihr diskret ſeyd! ſagte die Lainez mit Beziehung und warnend.

Ich weiß, was ich meinen Glaubensfreunden ſchuldig bin; entgegnete der Hauſirer, der die Lainez verſtand; und in dem Augenblicke, als die Letztere ſich zu Pahlens wendete, um ihm zu betheuern, er könne dieſem Menſchen vertrauen, hatte auch ſchon Juſtine ein Blättchen Papier in der zittern⸗ den Hand. Sie dankte dem liſtigen Ueberbringer mit einem Blicke, und trat bald hinter einen Vorſprung des Thurms, um die Poſt zu leſen. James ſchrieb:

Seyn Sie um 10 Uhr Abends an der Pforte des

Thurms. Ich mußte meinen Kapitän in's Geheimniß ziehen. Er läßt Sie in ſeinem Wagen fortbringen, weil er ein bra⸗ ver, ritterlicher Mann iſt. Es quält mich, daß meine Pflicht mich hier zurückhält. Sie ſollen indeſſen ſo Gott will ein Mehreres von mir erfahren.