Teil eines Werkes 
3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1838)
Entstehung
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vereits in einen katholiſchen Zwinger gebracht, ehe ſie an ein Entrinnen denken konnte? wer gab ihr auch zunächſt die Verſicherung, daß ſie den Vater finden würde, ſie, ein hülf⸗ loſes unerfahrnes Mädchen ohne Schutz? ja, wenn Georg an ihrer Seite geweſen wäre! auf ihn, den beſonnenen und entſchloſ⸗ ſenen Mann hätte ſie jede Hoffnung geſetzt! aber allein 2

Sie verlor ſich in troſtloſen Die Lainez verließ ſie darinnen, um, wie ſie vorgab, einen ſchnellen Gang durch die Stadt zu machen, um zu erfahren, was ſich Neues zugetragen. Juſtine würdigte ſie kaum eines Abſchied⸗ grußes, und verſchloß vor dem Thürmer, der gern den Anfang ſeiner Bewerbungen gemacht hätte, die Thüre.

WVie ſie nun da ſaß, und überlegte, und zu keinem klaren

Willen gelangen konnte, hörte ſie auf der Gallerie ſchwere klingende Tritte nahen. Ein Blick der Neugierde flog durch die ringsum freien Fenſter des Belvedere.

Zwei Männer in Uniform erſtiegen die Plate⸗Forme, und der Voranſchreitende, mit leuchtenden Achſelbändern und einer vielfarbigen Schärpe geziert, von deſſen Kasket eine breite Feder wehte, belobte alſobald die wunderſchoͤne Rundſicht, deren man von dem hohen Standpunkte genoß. Pahlens, die Mütze in der Hand, trat zu ihm, und beeilte ſich, dem Beſuchenden dienſtfertig die verſchiedenen Theile des großen Rundbildes zu erklären, nannte ihm die Haupt⸗ gebäude der Stadt, die umliegenden Dörfer, und ließ ſich eines Breitern in die Erläuterung der beſtehenden Wächter⸗ und Feuerordnung ein. Der Offizier horchte freundlich zu, ſendete Fragen auf Fragen, und ſchien mit ſeiner Expedition auf den Paulsthurm ſehr zufrieden. Sein Begleiter indeſſen⸗ in derſelben Uniform, doch ohne Silber und Schaͤrpe und