168
————
wohin? das iſt gleichviel. Sie geht in die Falle. Wir bringen ſie in den Bereich des Superiors, und das Zureden deſſelben, wie Ihre galante Bewerbungen werden das Uebrige thun. Wir Weiber ſind ſchwach⸗ Monſieur, und weichen gerne der Schmeichelei, wenn uns die Stütze eines Vaters fehlt.“
„Wenn Sie meinen...“ fügte Pahlens hinzu, und das Geſpräch verſtummte.
Juſtine zog ſich, empört und erſchreckt von dem, was ſte vernommen, zurück. Sie mochte überlegen, wie ſie wollte, ſie war gefangen und gebunden. Dort, wenn ihre Hart⸗ näckigkeit einen freien Abzug von dem Thurme erzwang, die ſchimpfliche Einſperrung in die Koſtſchule, worinnen unge⸗
horſame Töchter oder leichtſinnige Weiber oft Jahrelang wre Losſprechung entgegenharrten; und dann die Autorität eines
ſteifen unfreundlichen Familienraths, endlich der Spott, die ehrenrührigen Gerüchte der müßigen Stadtſchwätzer.— Hier eine begünſtigte Flucht, die Hoffnung, den Ketten zu entrinnen, aber der Zwang einer lügenhaften Verſtellung, die Gewalt eines intrikanten Weibes, eines affenhaften Liebhabers, und irgend eines Superiors, den ſie nicht kannte, nicht begriff⸗ und der entſcheiden ſollte, ob ſie den Thürmer zu heirathen hätte, oder nicht! ſie ſah ſich ſchon im Netz heimtückiſcher Katholiken, und wenn hin und wieder ihr die Vernunft ſchmeichelnd zuflüſterte: ſie möchte ſich der Verſtellung unter⸗ ziehen, zu glauben vorgeben, was man ihr von Vaters Befehl vorſpiegeln werde, und auf der Reiſe eine Gelegenheit ſuchen, von ihren falſchen Freunden loszukommen,— ſo ſträubte ſich doch dagegen ſowohl ihr gerader Charakter, als auch die ſo natürliche mädchenhafte Schüchternheit. Wer wußte, ob ſich jene Gelegenheit fände? ob man ſie nicht
7——


