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Freuden; ſie ſuchte und fand den altergrauen Johanniterhof, die Wiege ihres Leidens und des Unglücks ihres Vaters; ſie ſuchte nicht das Gaſthaus, das ihren Bräutigam beherbergt batte, damit ihr Schmerz nicht erwache; ſie ſuchte aber die Straßen, die von iden Thoren in alle Weltgegenden aus⸗ gingen; ſie verſuchte zu errathen, welche ihr Vater wohl eingeſchlagen haben mochte, oder ob er vielleicht noch in der dumpfigen Häuſermaſſe athme, deren Bewohner ſich gegen ihn und ſeine Schwachheit verſchworen hatten. Sie lief, ohne ſich des„Warum?“ bewußt zu ſeyn, nach der Thüre, ſie öffnete dieſelbe unſchlüſſig, und hörte plötzlich vom Fuße der ſchma⸗ len Treppe, die in's untere Gemach führte, leiſe Flüſterworte⸗ eine Unterredung, die ſie nahe mit anging. Pahlens und die Lainez, die ſchon ſeit einiger Zeit das Gemach verlaſſen hatte, ſprachen zuſammen, heimlich und vertraulich— von Juſtinen. „Sie können ſich leicht denken,“ ſagte der Thürmer:„wie mich's allarmirt hat, als ich's vernahm. Es iſt doch Schade um die magnifique Jungfer. Parole d'honneur! die Mama und der Vormund wollen ſie, ſobald ſie ausfindig gemacht worden, in die Koſtſchule ſperren laſſen, weil ſie dergeſtalt an ihrem Vater hängt. Es wird behauptet, ſie ſey, wie Er, katho⸗ liſch geworden, und dieſer Schmutz müſſe abgekratzt werden.“ „Nichts weniger als das,“ verſetzte die Lainez:„indeſſen müſſen Sie, Monſieur, uns weiter helfen. Der Superior hat mir das Mädchen auf die Seele gebunden. Ich muß Wort halten, damit auch mir einſt Wort gehalten werde.“ „Ich will wohl behülflich ſeynz“ ſprach Pahlens wichtig: „aber um den Lohn begehre ich auch nicht zu kommen. Sie wiſſen, meine Beſte, wie mich der blinde Cupido ſelbſt avengle gemacht hat. Ich bin amoroso dergeſtalt, daß ich mit
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