Teil eines Werkes 
3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1838)
Entstehung
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Rettung gebetet, ſie hatte dafür ein Gelübde geleiſtet! Ju⸗ P ſtine dankte ihr im innerſten Herzen für die Beweiſe einer liebevollen Theilnahme, und vergab ihr allen Unglimpf. Juſtine beneidete ſogar die Franzöſin um ihr Vertrauen, um ihr gläubiges Gebet, das den ruhigen Schlaf auf die Augen. der Beterin goß, erzeugt von der Zuverſicht, daß das Gebet erhört, das Gelübde vergolten werden müſſe. Juſtinens Auge blieb wach und munter ihr Ohr. Sie ſah die Streif⸗ lichter der Wächterlaterne, die um das Thurmzimmergebäude die Runde machte; ſie hörte Pahlens und des ablöſenden Wächters Stimme, das heiſere Gebelle des Wachthundes, die von Stunde zu Stunde gegebenen Poſaunenſtöße in die weithallende Luft, das erſchütternde Ausheben der großen Uhr, die Donnerſchläge der allzunahen Stundenglocken. Un⸗ willkührlich dachte ſie an die Mährchen ihrer Amme, an das Traumgeſicht, das Georg Birsher erzählt hatte. Sie blickte ſorglich nach der Gegend der Thüre, ob nicht etwa des alten Amerikaners wahrhaftiger Geiſt hereinſchreiten werde⸗ Aber quälender wurde ihre Angſt, marternder ihre Schlafloſigkeit, erinnerte ſie ſich der verfloſſenen Tage, des Glücksruins ih⸗ res Vaters, ſeiner Verblendung, ſeiner Flucht, des Ver⸗ ſchwindens ihres Verlobten. Eine traurige Zukunft rollte ſich vor ihrer Einbildungskraft auf, und ſie hätte ſich aus den Fenſtern des Thurms in das Wolkenmeer geworfen, wenn es möglich geweſen wäre, auf demſelben überzuſchiffen nach der Weltgegend, in welcher ſich ihr Vater befand. Dem An⸗ denken des, gewiß auf immer von ihr getrennten Verlobten weihte ihr Herz nur eine vorübergehende Klage: des Vaters Bild erfüllte es ganz. Seine Führerin, ſeine Begleiterin in dem Labyrinthe ſeines Unglücks zu werden, ſchien ihr Beruf