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beſſer, denn Juſtine, ganz ſtille ruhend, hoͤrte plötzlich, wie ſich die Lainez leiſe aufrichtete, und in franzöſiſcher Sprache,— in der Meinung, ihre Gefährtin ſchlafe— zu beten anfing. Das Gebet war an die Himmelskönigin, an die heilige Jungfrau gerichtet, und die Flehende forderte die göttliche Mutter auf, durch ihre Gnade den traurigen Zuſtand zu en⸗ digen, in dem ſich gegenwärtig die Bittende befinde; ihr es möglich zu machen, den lauernden Feinden zu entgehen, und unter den Schutz der Gläubigen zurückzukehren. Sie fügte hinzu, die Jungfrau möchte dieſe Gnade auch auf ihre Ge⸗ fährtin ausdehnen, die um ihrer Eigenſchaften willen, zu dem beſten Glücke würdig und berufen ſey. Sie möchte ein Wun⸗ der ihrer Huld thun, um das Seelenheil der Proteſtantin zu retten, ſie auf die Bahn, die ihr Vater betreten, zu füh⸗ ren, ihr alle Sünden zu erlaſſen, ſie frei und glücklich zu machen! Wenn die göttliche Fürſprecherin alles dieſes Ver⸗ langte thue, ſo verſpreche ihr die Beterin eine neuntägige Bußübung, ein vierzehntägiges Faſten und eine Botivtafel dem wunderthätigen Bilde zu Montſerrat. Hierauf begab ſich die Lainez wieder zur Ruhe, und entſchlief bald in voll⸗ kommener Friedſeligkeit.
Juſtine, welche aufmerkſam gelauſcht hatte, machte ihre beſondern Betrachtungen. In dem Grade, als ihr Miß⸗ trauen gegen die Franzöſin zunehmen mußte, in der ſie nun eine eifrige Katholikin, und— wie ſie im Verlauf des letz⸗ ten Tages geahnt hatte— ein Werkzeug ihrer beabſichtigten Bekehrung erfand, nahm auf der andern Seite wieder ihr Ver⸗ trauen zu der Jerſon zu. Die Lainez hatte ja in ihrem Gebet die Proteſtantin mehr noch den himmliſchen Mächten empfoh⸗ len, als ſich ſelbſt; ſie hatte für San Sulntni und
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