Teil eines Werkes 
3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1838)
Entstehung
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durch ſeine Zudringlichkeiten ärgern könnte, machte ihn nicht ſeine Albernheit lächerlich! Warum habe ich mich von Ihnen beſchwatzen laſſen?

Wiſſen Sie einen Ort, an dem man uns weniger ver⸗ muthet? an dem wir unbemerkter ſind? fragte die Lainez einſylbig dagegen, und ſetzte bei:ich kenne den Herrn dieſes luftigen Hauſes zwar nur oberflächlich, aber getraue mir⸗ für die redliche Reinheit ſeiner Geſinnung zu bürgen. Fürch⸗ ten Sie keine Beleidigung Ihrer Würde, keine Verletzung des Anſtands. Was Sie auch von mir halten mögen ich bin eine Freundin und Bewahrerin ſtrenger Sitte, und Nie⸗ mand wird mehr als ich von einer Unbeſcheidenheit verletzt- Schlafen Sie deßhalb ruhig. Morgen leuchtet uns vielleicht ein günſtigerer Himmel. Vielleicht ſind wir ſo glücklich, etwas Näheres von Ihrem Vater zu erfahren, und Ihr Zweck iſt dann erreicht.

Dieſer Zuverſicht ſich überlaſſend, fügte ſich Juſtine in die ſeltſame ungewohnte Lage. Der Abend kam, und ver⸗ ging bei einſamer Kerze, und bei'm Lautenſpiel des Thür⸗ mers, der ſich's nicht nehmen ließ, die Frauenzimmer zu un⸗ terhalten, bis die Zehner⸗Glocke geläutet werden mußte. Pahlens Fürſorge hatte den Damen auf den Ruhebetichen des Belvedere ein erträgliches Lager bereitet. Er wünſchte ihnen gute Nacht, und empfahl ihnen das Licht zu löſchen, damit der Wächter, der nach zehn Uhr auf dem Thurme ein⸗ zutreffen habe, nicht Unrath merke.

Juſtine verriegelte die Thüre. Die Laincz löſchte die Kerze. Die beiden ſchönen Flüchtlinge verſuchten, ohne ein Wort ferner zu wechſeln, zu entſchlummern. Juſtinens Angen floh jedoch der Schlaf; ihrer Begleiterin ging's nicht