160
„So eilen Sie!“ ermahnte die Lainez, und führte Juſtine ſchnell mit ſich von dannen; weit vom Vaterhauſe, auf den Paulsplatz, wo ſie ſehr durchnäßt ankamen, allein doch un⸗ veachtet. Raſch ſchritten die Frauen auf die Kirche los; heftig zog die Lainez die Glocke an dem Pförtchen des Thurms. Die wenigen Minuten, deren der Thürmer bedurfte, um her⸗ abzukommen und aufzuthun, wurden den Harrenden zu Ewig⸗ keiten. Endlich... Schlüſſelklang... das Pförtchen geht auf. Pahlens empfängt verwundert, freudig erſchreckt, die Einſtürmenden.„Gott grüße Sie, Herr Pahlens!“ ruft die Lainez in Eile:„oben ein Näheres!“ und mit flüchtigem Fuße eilen die Frauen über die hölzernen Stiegen; an Glocken und Uhr vorüber, über die finſtern Wendeltreppen, durch die finſtern Gangſchluchten, und an den hohen Lucken vorbei, die eine ſchwindelerregende Gruft vor dem Aufſteigenden eröffnen; und nimmer ruhen, und nimmer raſten ſie, bis der letzte Treppenabſatz erklimmt, und die Plate⸗Forme des Thurms erreicht iſt, wo der heftig ziehende Luftſtrom ſie zwingt, in des Thürmers Stübchen einzutreten, Platz zu nehmen, Odem zu ſchöpfen, und endlich dem nachgefolgten Pahlens die Abſicht ihres Kommens zu erklären. Die Franzöſin faßt ſich hierin, ſo wie in Allem, kurz.
„Sie wiſſen, Monſieur, was in der Stadt vorging,“ ſagt ſie mit vertraulichem Tone zu dem Thürmer:„wir ſind eben⸗ falls das Opfer jener traurigen Ereigniſſe. Wir fordern von Ihnen Schutz und ſichern Aufenthalt für wenige Tage, und er⸗ warten von Ihrer Galanterie die Erfüllung unſers Begehrens 1.
Ein Strahl von Freude und Behagen fuhr über Pahlens Geſicht; vergnügt rieb er ſich die Hände, und verſetzte:„Sie kommen zur beſten Stunde, meine Damen. Mein Gehülfe


