„Darf ich nicht wiſſen, was Sie beängſtigt oder ärgert, liebſte Mutter?“— fragte Juſtine mit ſanfter Theilnahme. Die Mutter ſchlug die Hände zuſammen, und ſchüttelte den Kopf mit Heftigkeit.„Frage mich nicht, Juſtine!“— ſagte ſie alsdann mit phlegmatiſchem Pathos:„Es wird die Zeit kommen, da ſich Alles enthüllen wird. Armes Kind! und ich... eine arme Mutter! Mir bleibt nichts übrig, als zu überlegen, wie wir beide einer großen Seelengefahr zu entrinnen haben. Gott wird ja einen Engel ſchicken! Be⸗ halte indeſſen die Schlüſſel dieſes unſeligen Hauſes! In meinem Leben rühre ich ſie nicht mehr an!“
Sie ſchwieg verſtockt, und Juſtine fürchtete für den Ver⸗ ſtand der Mutter.
„So werden Sie mir doch erlauben,“— ſprach ſie,— „eine Gehülfin zu erwählen; denn in der Zeit, als Herr Birsher hier aus⸗ und eingehen wird, dürfte es viel zu thun geben, dem ich allein nicht gewachſen wäre.“
„Wie Du willſt. Got. ſegne den Herrn Birsher! Er hätte aber beſſer gethan, zu Newyork zu bleiben. Wen willſt Du jedoch Dir zur Seite ſetzen?“
„Eine Freundin: Madame Lahnez, eine Franzöſin.“— „Wer iſt die Perſon? Ich kenns ſic nicht.“—„Die Frau Syndikus empfahl ſie mir,“— verſetzt⸗, um eine Antwort etwas verlegen, Juſtine.—„So?“— erwiederte Jacobine mit großen Augen;—„meinethalben dann. Die Syndikuſſin empfiehlt ſicher kein Geſindel; ſonſt mchte ich wohl gerathen haben, auf der Hui zu ſeyn. Di⸗ Franzoſen nachen gerne lange Finger, und bei Gelegenheiter, Hin die heutige..“— „Laſſen Sie mich walten, Mutte und erheitern Sie ſich. Dieſer unbegreifliche Mißmuth würde den Gaſt verſchüchtern


