Teil eines Werkes 
3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 2. Band (1838)
Entstehung
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S

wie ein Tintenfaß vor Ihnen ſtehen; allein, Erſtens hat

der ſaumſelige Schneider mich noch nicht mit Kleidern ver⸗ ſorgt, und zweitens will ſich's wohl ziemen, da eine fröhliche Botſchaft an der traurigen hängt, daß ich ihrer im fröhlichen Kleide gedenke. Wiſſen Sie demnach, Hochzu⸗

verehrend er, daß mein Herr Vater, bis dato Kaufmann

und Rathsherr in meiner Geburtsſtadt, am verwichenen Frei⸗ tage im 70ſten Jahre ſeines Alters das Zeitliche mit dem Ewigen vertauſcht hat. Ich bin ſein einziger Erbe in Haus und Gewölbe geworden, und wie mir ſchmeichelhafte Verwandte verſichern, würde der Magiſtrat ſich nicht

lange ſperren, mir auch den Rathsſtuhl des Verewigten als

vollgültiges wohlerworbenes Erbe zu überlaſſen.

Der Senator war unwillkührlich vom Stuhle aufgeſtanden, hatte einen nebenſtehenden Seſſel herbeigezogen, und winkte lächelnd und verbindlich dem Eommis, Platz darauf zu nehmen. Nothhaſt ließ ſich nicht lange bitten, und indeſſen ſprach Müſſinger ſehr freundſchaftlich:Sehen Sie, beſter Herr Nothhaft; der Tod iſt ſo eigentlich kein Unglück, ſondern ein Soll, das früher oder ſpäter jeder Lebensnegoziant zu ſaldiren hat. Tröſten Sie ſich demnach über den herben Verluſt, und genehmigen Sie den wärmſten Ausdruck meiner Theilnahme an Ihrem fernern Wohlergehen. Dieſes wird nun freilich lediglich von Ihnen abhängen, denn Sie haben in meinem Geſchäfte von der edeln Handels⸗Wiſſenſchaft ohne Zweifel ſo Vieles profitirt, daß Sie ganz gut auf Dero eigenen Füßen werden ſtehen können. Behalte mir demnach nur die Fortdauer Ihrer freundſchaftlichen Anhäng⸗ lichkeit vor, und bitte mir zu hächſtem Sonntage die Ehre