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aus, Ihnen mit einem Löffel Suppe aufwarten zu dürfen, wie ein Handelsfreund dem Andern.“
Miüſſinger hätte hier gerne, nachdem er der Förmlichkeit ihr Recht gegeben, das Geſpräch beendigt, aber Nothhaft ſaß immer noch breit und läſtig im Stuhle, nickte vornehm dankend mit dem Kopfe, und hob an, den Zweiſprach weiter fortzuſpinnen.
„Eben darum, geehrter Herr Senator,“— ſagte er— „weil ich weiß, wie förderlich mir Ihre Freundſchaft iſt, und geweſen, ſo wie auch die Meinige vice versa, ſo unterſtehe ich mich, an obige Trauer-Nachricht ein artiges Vergnügen zu knüpfen, indem ich auf ein Band hinweiſe, das unſre visherige Freundſchafts⸗Societät zu befeſtigen geſchickt ſeyn möchte. Mein ſeliger Herr Vater hat jeden Albus ſechsmal
umgewendet, ehe er ihn atksgab, und vermittelſt dieſes Grund⸗
ſatzes einen anſehnlichen Kaſten voll harter Thaler zuſammen⸗ geſpart: ein Tuchgeſchäft in vollem Gange, eine Wein-Fabrik, ein wohleingerichtetes Haus, Gartenland und Ackerfeld, Brunnen und Stall, Geſchirr von Silber und Ringe von Gold. Alles dieſes iſt mein, und mir geht nichts ab, als ein Weib. Ich halte dem nach, geziemend und gebührend, um Ew. Edeln Tochter an. Jungfer Juſtine iſt zwar ein ſchwieriges, ſchnippiges Ding; aber ich mag ſie doch wohl leiden, und hat man erſt ein Dutzend Wochen im Eheſtand zugebracht, ſo findet ſich Alles hinterdrein.“—
Der Senator ſaß verſtummt da, und lächelte vor ſich hin; ob aus Spott oder aus Ueberraſchung? Dann erwie⸗ derte er ziemlich treuherzig;„Lieber Herr Nothhaft! Sie thun mir unläugbar eine Ehre an, ſo wie Juſtinen. Aber, Beſter!— ſollte es Ihnen denn unbekannt ſeyn, daß meine


