161
„Ich rede von meiner Frau, eines herrſchaftlichen Beam⸗ ten Tochter zu Halberſtadt. Wie ſehr empfand ich den Dich⸗ ter, als ich ſie ſah:
„Die als ein Wirbelwind mich hin und her gerückt, und mein zerſcheitert Schiff in langem Sturm zerſtückt! Ich ſah ſie, und entbrannt'! ſie fühlte neue Flammen! Kurz: ihr und mein Gemüth, die ſtimmten wohl zuſammen!“
„Ich entführte die Liebſte. Der Fluch ihres Vaters folgte uns nach, und, ſobald meines Weibes Eltern in die Grube geſunken, fiel das Elend über uns her. Der luſtige Name, den ich mir beigelegt, war ein ſchneidender Spott aufunſere traurige Lage. Katharine hatte nicht ein bischen Geſchick zu der Comödie. Man lachte ſie aus, ſobald ſie ſich nur zeigte; der Principal zankte, und ich antwortete gallebitter,
wir wurden von der Geſellſchaft weggeſchickt. Eine ſchwere Bruftkrankheit warf mich nieder, und verſchlang Alles, was wir hatten! Am Stabe ſchleichend, von Katha⸗ rinen geführt, die unſer erſtes Kind auf dem Rücken trug, bettelte ich mich weiter, von Kloſter zu Kloſter, von Spital zu Spital, von Bande zu Bande. Endlich fanden wir einen gutmüthigen Principal, der uns einen Wochenlohn anbot. Mein Weib ſollte für die Truppe waſchen, ich ſollte agiren. Aber mit dem Amoroſo war's vorbei! Ich hatte keine Stimme mehr, und keine Kraft. Der Prinzipal richtete mich zum Rüpel ab. Ach, Münzner! wie war mir zu Muthe, als ich zum Erſtenmale als Narr auf die Bretter trat! Daheim lag mein Jüngſtes im Sarge, meine Katharine, der Nieder⸗ kunft gewärtig, auf dem Strohlager, und ſie war allein, und nur Hunger und Mangel ſaßen an ihrer Seite, und
ich mußte Poſſen reißen, und die bittern Thränen der
III. 1. 11


