152 mehr zu erwecken und anzufeuern, als daß Ihr jetzo wie ein Irrwiſch im Weltgetümmel umher fackelt. Er würde Euch ſagen, daß Ihr jetzo, als ein, Gottlob zur Mutterkirche Bekehrter, auf Eurem Thurme ein wahres Sinnbild der ſiegenden Kirche vorſtellt, wie ſie, im Verbor⸗ genen triumphirend, oben ſitzt, während zu ihren Füßen die Baaldiener orgeln, ſchreien und ihre Poſſen treiben. Ich ſage Euch blos: Schweigt, betet, und erwartet mit Geduld, wie es der Himmel mit Euch zum Guten lenken wird. Was iſts aber mit der Neigung, von der Ihr ſpracht? Hat ſie nicht die Tochter des Senators Müſſinger zum Gegenſtand?“
„Ach! Sie leſen in den Falten meines Herzens!“ entgegnete der Geck:„Ich muß meine Schwachheit geſtehen. Gehen Sie aber nicht ſtrenge mit mir in's Gericht. Mein Herz iſt ſo weich und empfänglich, als mein Mund blöde. Durch das Auge iſt das Mädchen in meine Seele gedrungen. Ge⸗ redet habe ich noch nicht mit ihr, und werde es auch nie, wenn Sie mir's nicht erlauben.“
„Das darfich nicht;“ entgegnete der Doctor:„Zu welchem Endzweck auch? Ihr ſeyd arm, die Jungfer iſt reich. Ihr Vater iſt Senator; Ihr ſeyd Thürmer. Das paßt nicht. Aber die Hauptſache iſt, daß Ihr Katholik ſeyd, daß ſie Lutheranerin iſt. Zwar arbeitet die Gnade des Höchſten, wie ich vernehme, an ihrer Wiedergeburt, wie denn über⸗ haupt, Dank ſey es der Fürbitte unſerer hohen Patronin, unſte Gemeinde täglich im Stillen zunimmt, bis ſie laut wird reden können. Aber man rechne nicht auf das, was* noch nicht iſt. Ich weiß nun zwar, daß ein Jünglingsherz ein weiblich Gemüthe ſucht, an das es ſich bindet, wie die Rebe an die Ulme. Die reine Verſchwiſterung tugendhafter Seelen


