Teil eines Werkes 
3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

25

recht leiſe ſprechen, und recht leiſe horchen, daß die Mutter nicht ſo früh erwache. Seht, ich bin ganz Ohr.

Sie hatte ſich bei dieſen Worten mit beiden Armen auf den Rand des Tiſches gelehnt, und ſah mit geſpannter Auf⸗ merkſamkeit und ſo vorwitzigen Augen dem Lehrer in's Ge⸗ ſicht, daß er ſeine Blicke auf die Manſchetten ſeiner Hände richten mußte, um nur den Faden des Geſprächs feſthalten zu können.

Mein Vater, hob er auf wiederholte Aufforderung an, hatte zur Zeit ein Commando in der Citadelle zu New⸗York; mein Onkel einen entlegenen Wachtpoſten gegen das Gebiet der Indianerſtämme zu. Gelegenheit gab es für mich, den achtiährigen Knaben, genug, ſomit das Leben in der ameri⸗ kaniſchen Stadt wie auf dem Lande kennen zu lernen. In⸗ nerhalb der erſtern fand ich wenig Freude. Das Seyn darinnen war ſteif und einförmig, keine Heiterkeit, aber viel Frömmelei und militäriſcher Druck. Am Werkeltage ſchafft die ſich ſelbſt übertreibende Mühe, denn reich zu werden iſt das Ziel, wonach Alle ſtreben. Dazwiſchen tönt die Trom⸗ mel und das Commandowort der Beſatzung. Am Sonntage iſt der Sabbath ſtrenger geheiligt, als in England ſelbſt. Die Luſt hüllt ſich in Sack und Aſche, und einförmige Glocken⸗ ſchläge langweilen den Städter, bis er, von der Laſt des Feiertags ermüdet, das Bette ſucht.

O weh! ſeufzte Juſtine,das iſt ein traurig Bild. Da lebt ſich's ja in unſerer dunkeln Stadt noch beſſer und ſchöner. Doch macht das Landleben vielleicht wieder Alles gut, und Herr Birsher wird mir wohl den Gefallen erzei⸗ gen, es der Stadt vorzuziehen.