Teil eines Werkes 
3. Band, Der Jesuit : Charaktergemälde aus dem ersten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts : 1. Band (1838)
Entstehung
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Glaube nur um Gotteswillen, mein Kind, daß ich Dich liebe, herzlich, wie es einem chriſtlichen Vater zuſteht. Aber ich muß an mich halten mit dieſer Zuneigung, ſonſt bricht mir das Herz vollends, wenn Du aus dem Hauſe gehſt, nimmer wiederkehrſt, und ich dann in ganz Europa keinen Menſchen mehr weiß, der mir näher am Herzen liegt, als der kalte Treſſenrock. Du biſt alt genug, Juſtine, um zu wiſſen, daß eine Heirath die Beſtimmung eines jeden Mäd⸗ chens iſt, folglich auch die Deine. Du biſt bereits verſobt: zu New⸗York in Amerika wohnt Dein Bräutigam, der junge Kaufmann Birsher, und, wie mir ſein Vater neulich ſchrieb, werden wohl nicht anderthalb Jahre vorübergehen, ſo kömmt der deſignirte Schwiegerſohn ſelbſt, um Dich abzuholen. Dein Beſtreben gehe alſo jetzt vornehmlich dahin, der eng⸗ liſchen Sprache mächtig zu werden, zu welchem Endzweck ich für eine Lehrerin ſorgen will.

Juſtine verließ den Vater mit ſichtlichem Behagen. Aus⸗ gezeichnet vor all ihren Geſpielinnen nach Amerika zu zie⸗ hen, in das junge Land, das ſich europäiſche Imagination damals nur als ein Paradies, unerſchöpflich in Genuß und Reichthum, vorſtellte;... als Frau, an der Seite eines jungen Cröſus, dahin zu ziehen, das ſchmeichelte der jugendlichen Eitelkeit gar ſehr. Des Vaters Erklärung hatte vollendet, was die Confirmation begonnen; das Mäd⸗ chen war raſch zur Jungfrau, zur Braut geworden. Juſtine zog ſich nun auch wähliger von dem Haufen ihrer Freun⸗ dinnen zurück, verkehrte nur mit den Wenigen, die, gleich ihr, nicht fern vom Hochzeitfeſte zu ſtehen vermeinten, und beſchäftigte ſich mehr als ſonſt, in Einſamkeit und Stille, mit Arbeit und wißbegierigem Forſchen. Nit der engliſchen