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der Welt etwas machte, ſo moͤchte ich mich bei⸗ nahe vor derſelben ſchaͤmen, daß ich drei Jahre an eine Laune der Sinne verſchwendete, die eben ſo gut in drei Monaten, oder in drei Wochen— ja vielleicht in drei Tagen hätte abgemacht wer⸗ den koͤnnen. Bekenne ſelbſt, Marquis,“ ſchloß ſie laut lachend,„daß Du ſelbſt nicht weißt, wie es Dir gelingen konnte, mich ſo ganz zur Ein⸗ ſiedlerin zu machen? Aber das weibliche Herz und der menſchliche Wandel ſind räthſelhafte Dinge.— Wir trennen uns alſo von heute an, mein lieber Villarceaur, und von Liebe ſey fer⸗ ner die Rede nicht mehr zwiſchen uns. Daß Sie mein Freund bleiben werden, weiß ich gewiß; Alle die ich einſt liebte und verließ, ſind mir zu⸗ gethan geblieben, und Ihr Character, mein lie⸗ ber Unbeſtand, iſt viel zu gutartig, als daß ich nicht von ihm daßelbe hoffen duͤrfte.“
Sie reichte dem Marquis wohlwollend und laͤchelnd die ſchoͤne Hand, und fuhlte, wie ſehr der verabſchiedete Geliebte zitterte. Hierauf ſagte ſie mit treuherzigem Vorwurf:„Seyn Sie kein


