Teil eines Werkes 
4. Band, Der Invalide : historische romantische Bilder unserer Zeit : 5. Theil (1838)
Entstehung
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Scheiden, in Dammartin's Ohr:Mein Grab liegt im Schatten. Ueber euch wird ein Morgenroth der Freiheit aufgehen. Dieſe Freiheit, o meine Kinder! möge ſie alsdann edel und dauernd ſeyn! Ich habe mein Verſprechen gelöst, mein Oberſt, nicht doch, mein einziger Freund. Dein Vater wird mich freundlich empfangen. Vergib mir jede Laune des Alters und der Thorheit, womit ich Dich manch⸗ mal gequält. Vergeben Sie mir, Madame, alles Unrecht hören Sie? alles Unrecht, das ich jemals an Ihnen verübt.

Die heißen Thränen Adelen's und Dammartin's, nicht ihre Worte, verſicherten dem Sterbenden, daß er tiefbetrübte Herzen zurücklaſſe; Herzen, die nichts zu verzeihen, aber dem Freunde viel abzubitten hatten. In ſtummer Verzweiflung lehnte Victorin an dem Bette ſeines Vaters. Sans⸗Regret wendete ſich zu ihm, und ſagte leiſe:Nicht dieſe Traurig⸗ keit, Kapitän. Du mußt Deiner Suzon keinen Jammer mit⸗ bringen. Grüße ſie von ihrem Taufpathen, der es immer redlich mit ihr meinte. Du aber, mein gutes Kind, laß mich nicht hier an dieſem Orte, der mir ſo fremd iſt. Laß meine Reſte nach St Colombe bringen, und neben meiner Suzon einſcharren. Vielleicht iſt's eine Thorheit, was ich hier verlange, aber meinem Alter ziemt die Thorheit ein wenig; darum will ich auch noch, daß Waſhingtons Band auf meiner Bruſt befeſtigt ſey, und daß man mich in mei⸗ nem Invalidenrocke begrabe. Und nun umarmt mich, alle meine Lieben, weil mein Herz ſo voll von Frieden iſt, daß ich ſogar dem rothen Schurken verzeihen möchte, der einſt nach meinem Schopf begehrte, und meine Vernunft ſtatt

veſſen erwiſchte. 10*