Teil eines Werkes 
4. Band, Der Invalide : historische romantische Bilder unserer Zeit : 5. Theil (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

136

von angenehmer Form, beſchäftigten durch ihren bizarren Wechſel das Auge der Ermüdeten, und gaukelten gerade den Schlaf auf dieſelbe hernieder, als plötzlich durch den flirrenden Vortraum ein lang gehaltener Seufzer des Schmer⸗ zens, ein gepreßtes Röcheln aus beklemmter Bruſt zum Ohr Adelen's drang. Im Nu waren Traum und Schlummer verſchwunden; Adele fuhr vom Bette auf, horchte voll Be⸗ ſtürzung, und da der grelle Ton ſich wiederholte, eilte ſie außer ſich nach der Thüre der Nebenkammer, hinter welcher die Angſttöne zu entſpringen ſchienen. Ihre ſcheue Furcht überwand für den Augenblick die Abneigung des Weibes vor Wunden und Verſtümmlung. Adele hatte ja vor wenigen Stunden noch viele blutende Opfer des Kriegs auf Straßen und Feldern zerſtreut geſehen, und die Räder ihres Wagens hatten manche ehrliche Soldatenleiche geſtreift. Die Lampe in der einen Hand, öffnete ſie mit der andern leiſe die Thüre, und erſchrack nicht vor dem QOualm, der ihr entgegenſchlug, begierig nach dem Leidenden zu forſchen, deſſen Schmerzens⸗ töne ſie erweckt.

Mehrere Soldaten aller Waffengattungen, meiſtens jedoch Kavalleriſten in holländiſcher Uniform, ſowohl Offiziere als Gemeine, lagen in dem kleinen Gemach auf elender Streu ausgeſtreckt. Nirgends eine Spur von ärztlicher Hülfe, den erſten ſchmutzigen Verband ausgenommen, der auf den ſchweren Wunden klebte. Eine Talgleuchte, deren Glimmen kaum bemerkbar, ſtand in der Ecke; in der Mitte des Ge⸗ machs eine Gießkanne voll Waſſer, und eine irdene Schale, mit derſelben Flüſſigkeit gefüllt, neben jedem einzelnen der dahin geſtreckten Soldaten. Dieſe Erfriſchung war die einzige