Teil eines Werkes 
4. Band, Der Invalide : historische romantische Bilder unserer Zeit : 4. Theil (1838)
Entstehung
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Sie ihr; laſſen Sie Ihre Zuverſicht nicht erſterben. Ihrem Muth ziemt es wohl, an eine ruhigere Zukunft zu glauben. Doch wollten Sie mir nicht erklären, wie Boulogne zu dem Glück kommt, Sie in ſeinen Mauern zu beſitzen?

Das iſt ſchnell gethan. Mein Arzt zu Paris giebt ſich der menſchenfreundlichen Täuſchung hin, daß meine Reiſe an den Küſten, das Einathmen friſcher Seeluft und Bäder in dem Meere die Heiterkeit meines Gemüths wieder her⸗ ſtellen werden. Nun: ich habe ihm gehorcht. Der Anfang meiner Reiſe entſprach jedoch ſeinen Hoffnungen nicht. Ich habe den Strand von Quiberon beſucht, und dem Andenken meines unglücklichen Bruders das einfachſte Denkmal ge⸗ weiht; eine Thräne nie verſiegenden Schmerzes, eine Thräne des Zorns.

Die Haltung des Fräuleins wurde eine drohende, und Victor, über die Wendung beſtürzt, die das Geſpräch nahm, ſuchte die Freundin durch einige Worte der Ermunterung zu beruhigen. Sie jedoch, die ehemalige Lebhaftigkeit wieder findend, fuhr fort:O, reden Sie mir nicht von Troſt. Dieſer gerechte, trotzige Zorn gegen mein Schickſal, und gegen Diejenigen, die es herbeigeführt, iſt die Bedingung meiner Exiſtenz. Durch ihn leb' ich noch. Sie können das nicht fühlen; Sie hatten keinen Vater mehr, keine Brüder zu verlieren. Aber vor meinen Augen ſchwebt das blutge⸗ färbte greiſe Haupt des edeln Mannes, dem ich mein Leben verdanke, den ein hämiſcher Gott mich retten ließ, um ihn im nächſten Augenblick um ſo ſicherer zu verderben, mein Herz um ſo grauſamer zu zermalmen. Noch ſtündlich ſtebt vor mir die Geſtalt des Bruders, der mit meinem Vater vereint auf dem Schaffot fiel, ohne daß es mir vergönnt geweſen