Teil eines Werkes 
4. Band, Der Invalide : historische romantische Bilder unserer Zeit : 4. Theil (1838)
Entstehung
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ſo ſehr hai nicht die Zeit Ihre Züge verändert, daß ich Sie nicht wieder gekannt hätte.

Victor wußte anfänglich nicht, was er erwiedern ſollte⸗ Seine Angen ruhten wehmüthig auf dem Antlitz der ehemals Geliebten, welches die Zeit, und mehr noch das Leid, nicht verſchont hatte. Tiefe Züge des Grams waren in dieſes marmorweiße Geſicht eingegraben; der Mund hatte ſeine Friſche und Lebendigkeit verloren, der Blick ſeinen blenden⸗ den Zauber, aber dennoch war das Antlitz unverkennbar; der Schnitt deſſelben, die ſchöne Stirne, die dunkeln Haare, ſie waren dieſelben geblieben. Vor allen jedoch war die Stimme noch Emiliens Stimme, und veränderte ſich nur dann, wenn ſie einen Kummer erzählte, oder ein ſchweres erlittenes Schickſal. Die Gelegenheit⸗ dieſes zu bemerken⸗ fehlte dem Oberſt nicht. Er zeigte mit Theilnahme auf Emiliens Kleid, und fragte zögernd:Sie trauern? wen vetrauert Emiliens ſchöne Seele?

Ich könnte ſagen: mein ganzes Leben; antwortete Emilie mit gepreßter Stimme.Mir iſt jede Hoffnung un⸗ getreu geworden, und ich trage für die geſtorbene einen ewigen Wittwenſchleier. Das Unglück meiner Familie kann Ihnen nicht unbekannt geblieben ſeyn⸗ Leider hat ſich die Oeffentlichkeit deſſelben zu ſehr bemächtigt. Ich bin die einzige, die den Untergang überlebte; und daß ich ihn über⸗ leben konnte.... ich frage mich noch heute, wie das mög⸗ lich war. Sie ließ das Haupt in die Hand ſinken, und ſchwieg. Vietor verſetzte mit beſcheidener Theilnahme: Es iſt mir ſchmerzlich, daß meine Frage Wunden wieder aufriß, die ich, wenn auch nicht geheilt, doch verharſcht glaubte. Die Zeit lindert ja doch jede Pein. Vertrauen

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