Teil eines Werkes 
4. Band, Der Invalide : historische romantische Bilder unserer Zeit : 3. Theil (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

Gefängniß, wie man mich hineingeworfen hatte, und ſo ſchwimme ich auf der Brandung fort, ohne zu wiſſen, woran ich mich zu halten hätte.

Mir ging es ja noch ſchlimmer, entgegnete Victor mit bitterm Lächeln:Obgleich ich den Zufall noch nicht be⸗ greife, der mir an jenem fürchterlichen Tage das Leben ret⸗ tete, ſo weiß ich doch auch eben nicht, ob ich ihm für die Wohlthat verbunden ſeyn ſoll. Wie man mir Glück wünſchte, ſowohl meine Mitgefangenen als ſogar meine Hüter, da man mich in dem Winkel, wo ich ſchlief, aufgefunden! mit welcher Freude man mir erzählte, daß nun aller Schrecken vorüber, daß nun mein Haupt ſicher! wie man mich jubelnd umſtand, als endlich Marceau's Reklamation, ſo lange un⸗ berückſichtigt, meinen Kerker öffnete! und was hab ich nun? nicht genug, daß ich in der äußerſten Ungewißheit über Gabrielens Schickſal verblieb, nicht genug, daß mir unbe⸗ kannt iſt, ob nicht mein wackerer Sans⸗Regret und der rechtſchaffene Grognon für meine Sache ihr Leben laſſen mußten, ſo bin ich auch in die grauſamſte Unthätigkeit ver⸗ ſetzt. Vergebens habe ich bei dem Kriegsminiſterium um Wiederanſtellung gebeten; vergebens mich deßhalb, wiewohl ungern, an Freund Marceau gewendet. Die Poſt bringt für mich keine Briefe, und das Kriegsbureau hat für mich kein Patent. Und dennoch hänge ich mit voller Liebe an dem Vaterlande, obſchon es mich beinahe erwürgt hätte, ob⸗ ſchon es mich faſt verhungern läßt. Ein ziemliches Geräuſch unfern von ihnen lockte den Blick der Kameraden nach der Seite, wo, an einem Tiſche allein, ein junger Mann in ab⸗ getragener Offiziersuniform ſaß, und ſeine Bavarviſe ver⸗ zehrte. Der hagere, gelbe und düſter blickende Mann hatte