das Ohr, daß auch er einen Verwandten unter den Un⸗ glücklichen zähle, die man jetzt zum Tode abhole, und daß
ihm nichts ſchmerzlicher ſey, als nicht wenigſtens einige
Augenblicke vorher ſeinen Vetter zum letztenmal umarmen zu können.— Dem Kommiſſionär trat eine Thräne in's Auge, und er flüſterte:„Ich weiß, wie das iſt. Vor zwei Monaten haben ſie mir einen Onkel guillotinirt, und es ging mir beinahe eben ſo, wie Dir. Seit ich jedoch für dieſes Trauerhaus die Kommiſſionen machen darf, habe ich meinen freien Eintritt, wann ich nur will. Du ſollſt heute davon profitiren. Im Grunde kommt's nicht darauf an, ob dieſer Brief eine Stunde früher oder ſpäter beſtellt werde. Er dürfte der Empfängerin immer noch zu früh kommen. Aber Du haſt keine Zeit zu verlieren. Sind die Büttel einmal da, ſo geht es geſchwind. Folge mir daher ohne langes Beſinnen; wir finden jetzt alle Verurtheilte in der untern Halle beiſammen, wo ihnen die Haare abge⸗ ſchnitten und die Hände gebunden werden. Da es immer ſehr unordentlich zugeht, ſo trifft ſich ſchon eine Minnte, die Dir erlaubt, mit Deinem Vetter das letzte Lebewohl zu wechſeln.“
Somit zog er den Invaliden mit ſich fort, gerade hinein in die dunkeln Schluchten des Gefängniſſes, an mehreren Schildwachen und Schließern vorüber, denen er mit ver⸗ traulichem Air ſeinen Begleiter als einen Gehülfen zeigte, der für den Augenblick hier zu thun habe.— Mit wanken⸗ den Knieen betrat Sans⸗Regret an der Hand ſeines Be⸗ gleiters das dunkle Gewölbe. Die dem Tode geweihte Schaar war ſchon darinnen verſammelt; einzeln entweder⸗ oder in Gruppen von zwei oder drei Perſonen ſaßen und


