einſt jenen ſchlechten Schauſpieler in der Rolle des Polp⸗ phont ausgelacht, und er vergilt mir's jetzt mit wucheriſchen Zinſen!“ Als ſie nun die Stufen wieder hinaufſtieg, wankte trotz aller äußern Ruhe der von innern Stürmen erſchüt⸗ terte Körper, und ſie ſchien ohnmächtig zu werden. Victor, ihr am nächſten, bot ihr den Arm. Die Königin ſah ihn an, erlangte wieder plötzlich Stärke und Hoheit, trat einen Schritt zurück, und ſagte kalt und trocken:„Nicht mit Ihnen, Herr Vicomte. Ihr Arm möchte treulos ſeyn, wie Lameth's.“
Sie ſchritt an ihm vorüber. Victor blieb vom Donner gerührt, zurück. Er ſah gleichgültig zu, wie ſich die Frauen entfernten, und ſprach dann verzweiflungsvoll zu ſich ſelbſt: „Hat auch hier die Schlange ſchon gebrütet? Und ſoll ich ein Leben noch länger behalten, das ſo öffentlich ehrlos gemacht iſt?“ In einen Winkel der Treppe gedrückt, ſetzte er mechaniſch die Muskete zu Boden, um ſich die Kugel durch die Bruſt zu jagen. Da tönte wieder näher das Getümmel des wahnfinnigen Volkes, und ſchnell beſonnen, rief er:„Beſſer iſt's für den König zu ſterben, als ſich ſelbſt den Tod zu geben!“— Somit eilte er wieder hinauf in's Schloß, wo er im großen Saale ein gräuliches Blut⸗ bad zu finden dachte.— Es war indeſſen anders gekommen. Grenadiere der Pariſergarde hatten ſich den Eingang zu den verſchanzten Gardes du Corps verſchafft, und frater⸗
niſirten lärmend mit ihnen. Sie vertauſchten ihre Mützen
mit den Hüten der Leibwache; riefen der letztern ein Lebe⸗ hoch und ſchworen, ſie gegen jeden Angriff fortan zu ver⸗ theidigen. Sans⸗Regret, unter den Grenadieren befindlich,


