131 wollen. Dienen Sie Ihrem Herrn immer heldenmüthig wie jetzt, und zählen Sie auf meine Treue.“— Vietor, überraſcht von der Seligkeit eines ſolchen Geſtändniſſes, ſchlang im Gedränge ſeinen Arm um Emiliens Leib. Sie entzog ſich ihm, aber ihr Blick ſprach Verzeihung und die Verheißung zukünftigen Glücks.
Sie ſtanden am Gartenthvyre, die Caleſchen ſollten beſtie⸗ gen werden. Das Getöſe der Räuber tönte nur von ferne herüber. Die Flucht ſchien ſicher. Da erklingen plötzlich Waffen. Eine zahlreiche Patrouille der Verſailler Miliz eilt herbei. Der Offizier befiehlt den Wachen, das Thor nicht zu öffnen.„Die Königin will's!“ riefen Antvinettens Begleiter.„Und ſo wahr ich Sallé heiße, ſo wird die Königin das Schloß nicht verlaſſenz“ antwortete der Offi⸗ zier hochmüthig:„Begeben Sie ſich zurück, Madame. In ſolchen Zeiten der Unruhe ſind Sie beſſer zu Verſailles auf⸗ gehoben, als ſonſt irgendwo. Die Revolution iſt nun einmal da, die ſtärkſte Heldin von allen, die ſogar ſagen darf:
Napporte de nouvelles lois, japporte oe nouveaux fers. Napporte de nouveaus rois à Taveugle univers!—
darum, verfügen Sie ſich in Ihren Pallaſt zurück.“— Die Bajonette der Nationalgarden kehrten ſich gegen die Flücht⸗ linge. Die Königin, ihre Majeſtät behauptend, wehrte den Gardes du Corps jeden Widerſtand.„Der Mann lehrt mich meine Pflicht;“ ſagte ſie ruhig:„meine Stelle iſt beim König, und ich will ſie nicht mehr verlaſſen. Merken Sie ſich aber, meine Damen,“ ſetzte ſie hinzu, da ſie ſich ſchon umgewendet,„wie tragiſch oft der Zufall 2 Ich habe


