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Preis bezahlen werde. Er liebt Engeltruden, und ein glück⸗ liches Paar ſoll das Vaterhaus wiederum durch den Zauber ſeiner reinen Liebe heiligen.“
„Lieber Herr!“ rief Eſchenreuter überraſcht...„Wie verdiene ich dieſe Großmuth?“
„Seyd ruhig, Eſchenreuter!“ antwortete Archimbald, den Arm um ſeinen Bruder ſchlingend.„Ich bin Euch die Klei⸗ nigkeit ſchuldig. Hättet Ihr zu Prag beſſer getroffen, ſo würde ich nie dieſes Kleinod, den verirrten, reuigen Bruder, an mein Herz geſchloſſen haben.“
Eſchenreuter war ſprachlos vor Beſtürzung. Von einer großen Laſt befreit, verſuchte er vergebens ſeinen Dank zu
äußern, und fiel heftig weinend in ſeines Freundes Erl⸗
weins Arme.
„Kommt aber nun, meine Freunde!“ fuhr Archimbald fort;„laßt uns dieſen Ort verlaſſen, den der erblaßte Teu⸗ fel hier verunſtaltet. Der Morgen bricht an, und in wenig Stunden ſtelle ich mich vor die Schranken, um des Elenden Mordanſchlag und ſeine Strafe kund zu thun. Augenblick⸗ lich nachher ziehe ich mit Gattin und Freunden nicht nach der neuen Welt, ſondern in ein abgelegenes Hirtenthal der Schweiz, von den Stürmen des Lebens zu raſten. Dort gilt Freiheit, Unſchuld, Natur; nur der Böſewicht wird ein Ba⸗ ſtard des Menſchengeſchlechts genannt. Dort will ich in einem kleinen Eigenthum meinem häuslichen Glücke leben und der Erziehung meines Pflegeſohns Philipp, den Zufall und Gottes Fügung meinet Hand vertrauten.“
„Du nimmſt mir ihn wieder, den Sohn?“ fragte Philipp ſchmerzlich.„Wohl fühle ich, daß ich nicht werth bin, ihn


