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getragen; dem Uebermaß unverhoffter Freude erlag er. Eine tiefe Ohnmacht umfing ihn, die alle Beſorgniſſe der Herbei⸗ eilenden weckte.
„Er erſtickt!“ rief Hubert, um ihn beſchäftigt.„er ſtirbt, wenn man nicht augenblicklich hilft.. eine Ader muß geöffnet werden! Iſt kein Werkzeug vorhanden?“
Eſchenreuter ſprang dienftfertig herbei, ſein Amt ou ver⸗ richten. Die kleine Wunde wurde geſchlagen das Blut ſprang. Aber Staunen bemeiſterte ſich aller Zuſchauer, als Archimbald einen noch halb mit Wein gefüllten Becher vom Tiſche nehmend, ſich herzudrängte, einige Tropfen des fallen⸗ den Bluts darin auffing und, mit dem Weine vermiſcht, mit einem Zuge verſchluckte.—„Gelobt ſey Gott!“ rief er hier⸗
auf mit fröhlichem Blicke.„Mein Gelübde iſt gelöst! i habe des Bruders Blut getrunken! In dieſen Tropfen gehe
meine Rache unter rnd ein neuer Bund entſtehe aus ihnen!
Freuet euch mit mir, und Du, kleiner Philipp, behalte die⸗ ſen Becher zum Andenken.“
„Guter Mann!“ jubelte Jukunde an ſeinem Halſe.— „Ich danke Dir, mein wackerer Zögling!“ rief Hubert, ſeine Hand ſchüttelnd. Erlwein und Achmet fanden keine Worte, ihre Gefühle zu ſchildern.
„Was thut ihr, meine Freunde?“ fragte er heiter und ruhig wie ein Gott.—„Glaubtet ihr denn, ich hätte ihn morden können, nachdem ich ihm den Sohn gezeigt? Wähn⸗ tet ihr, ich hätte weniger Empfindung in meiner Bruſt für den Verwandten, als für den Fremden? Ich ſtellte ihn nur auf eine harte Probe.. er hat ſie würdig beſtanden. Meine Rache iſt vollendet.“
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