Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 3. Theil (1838) Der Mann und seine Rache
Entstehung
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So ſtirb! antwortete Archimbald und ſchleuderte ihm mit dem Fuße Simons Dolch zu, der vor ihm auf dem Bo⸗ den lag.Morde Dich ſelbſt; bei meinem Haupte, eins von beiden muß geſchehen!

In Gottes Namen denn! ſchrie Philipp in der höch⸗ ſten Verzweiflung und riß den Dolch in die Höhe. Unwill⸗ kührlich aber fielen Achmet und Erlwein ihm in den Arm; Hubert entwand ihm das Meſſer; Jukunde warf ſich aber mit dem kleinen Philipp vor Archimbald nieder.

Ohm! geliebter Ohm! jammerte der Knabe, unter einer Fluth von Thränen ſeine Kniee umklammernd.Sey barmherzig: ſchenke dem Vater das Leben! Peitſche mich zu Tode, ſchone nur den Vater!

Gleich wie nach tobenden Gewitternächten der Morgen⸗ ſtrahl ſiegend hervorbricht durch das ſchwarze Gewölk, mit allgewaltigem Druck die gährenden Maſſen hinabdrückt in den Raum und des Schöpfers mächt'gen Spruch: Es werde Licht! mit Himmelsbläue und Strahlengold an das präch⸗ tige Firmament ſchreibt,.. alſo drang das Sonnenlicht der Gnade in Archimbalds wild kämpfende Bruſt, und wie in einen reichgeſchmückten Siegestempel zog der Engel der milden Menſchenliebe und der Verſöhnung darinnen ein. Mit einem Friedenskuſſe öffnete er den Mund des Grollen⸗ den und das Wort der Barmherzigkeit floh von ſeinen Lippen.

Es ſey! rief die Engelsſtimme laut unter die beſtürz⸗ ten Anweſenden.Das Flehen der Unſchuld hat die Rache bemeiſtert. Lebe, mein Bruder! Ich vergebe Dir!

Dieſe Worte hören,.. wanken... zu Boden ſinken, war für den Begnadigten das Werk eines Augenblicks. Die Laſt der Leiden hatte der Unglückliche mit und Muth

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