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Augen gerade und genau alſo, wie Du mich behandelt haſt, oder. 6
„Was verlangſt Du?“ fragte Philipp, bleich werdend wie der Schnee. ⸗
„Du ſollſt thun an dem Buben, wie Du an mir ge⸗ than!“ erwiederte Archimbald mit erhabener Stimme.„Ihn
mißhandeln, mit Fußtritten zu Boden werfen, mit den Spo⸗
ren blutig hauen, die Hetzpeitſche an ſeinem Rücken und Schädel verſuchen und mit Hunden ihn zum Hauſe hinaus⸗ jagen, ſeinem Elend ihn überlaſſen und der Mildthätigkeit fremder Menſchen.“
Philipp erſtarrte.—„Das iſt nicht Dein Ernſt!“ ſtam⸗ melte er hierauf, ängſtlich in ſeinen Augen leſend.
„Mein vollkommener Ernſt,“ entgegnete Archimbald trocken.„Warum zweifelſt Du? welchen Grund haſt Du zu zweifeln? Iſt der Knabe beſſer als ich? Iſt er nicht auch ein Baſtard, ein ehrloſer Bube, der nur Schande, Verach⸗
tung und aimſeligen Tod verdient? Oder meinſt Du, weil er
Dein Sohn iſt, verdiente er Rückſicht? O, mit nichten, auch ich bin Dein Blut; Dein Vater war auch der meinige. Friſch! mit Sporen iſt Dein Fuß bewaffnet, dort hängt die Peitſche, Deine Doggen heulen vor der Thüre friſch an's Werk! daſſelbe Gemach, derſelbe Tyeiber, daſſelbe Wild was zauderſt Du? Du wirſt noch das Verdienſt haben, uneigennütziger als damals Deine Jagd zu halten!“
„Grauſamer!“ heulte Philipp, vom bitterſten Schmerz bedrängt.„Stoße mich nieder, ehe Du mich langſam durch verdienten, aber allzu abſcheulichen Spoti hinopferſt. Deine Marter verfehlen das Herz nicht. Lieber ſterbe ich, ehe ich thue, was Deine unmenſchliche Rache verlangt.“


