Von den herrlichen Worten des ehrwürdigen Redners ge⸗ rührt, hatten Erlwein und Achmet Philipps Arme losgelaſ⸗ ſen, ſo daß er frei ſtand und die heißen Thränen abzutrock⸗ nen vermochte, die ſtromweiſe über ſeine Wangen floſſen. Derjenige allein, auf deſſen Sinnesänderung es hier am meiſten ankam, hatte zwar den Dolch ſinken laſſen, behaup⸗ tete jedoch ein Unheil verkündendes Schweigen.
„Ich danke Euch, würdiger Herr,“ begann nach einer Weile Philipp,„für die Wärme, mit der Ihr mein Wort geführt. Ich vermag es nicht, meine Frevel zu ver⸗ theidigen! ach, ich habe ſie ja ſeit langen Jahren ſchon be⸗ reut; mein Bruder übt ſtrenges Vergeltungsrecht an mir, und ſeine Unerbittlichkeit gleicht der meinigen. Ich bin alſo bereit zu ſterben. Der Tod macht alle Qualen meiner Seele quitt, und da ich meinen, Mariens Sohn nicht mehr umarmen durfte, iſt er mir willkommen. Ich hatte nie die Gefühle eines Vaters empfunden... der Anblick des Kna⸗ ben lehrte mich ein nie geahntes Paradies kennen mein Leben zu verſchönern, zu beſſern, zu heiligen, faßte ich den raſenden Entſchluß, den Sohn zu rauben, den mir freiwillig die Mutter nicht überlaſſen haben würde. Ach, ich follte nicht glücklich ſeyn!“
„Verblendeter!“ entgegnete Archimbald ſpöttiſch.„Der böſe Geiſt, der Dich in dieſem falſchen Knecht, in Deiner Gattin, in dem Erfolg aller Deiner Rathſchläge hinterging, betrog Dich auch garſtig mit Deinem letzten Frevel. Der Sohn, den Du raubteſt, in welchem Deine blinde Begierde den Unterſchied des Alters nicht erkannte,„ er iſt
nicht der Deine; er iſt Herbenſteins Sohn, des Mannes, der
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