„Sey ohne Sorgen!“ tröſtete die Edelfran die Seufzende. „Du biſt ſicher an meiner Seite. Wenn nicht ein gewaffnet Heer das Schloß erſteigt, geben wir Dich nicht herans. Nur mußt Du wiſſen, ob Deine Feinde ſolcher Macht ge⸗ bieten können oder nicht. Wer iſt denn aber der böſe Simon, vor dem Du ſolche Furcht hegſt?“
„Ach, edle Frau!“ erwiederte Engeltrude:„der ſchlechteſte unter allen Schwaben. Ein nahe an die Achtzig ſtreifender eisgrauer Schelm, der alle Welt belogen, ſeinen ehemaligen Herrn aber betrogen hat, daß dieſem von großer Habe kaum ein ſchlechtes Bauerndach übrig geblieben iſt.“
„So?“ fragte Marie ahnend.
„Nun ſitzt er, der Simon nämlich, in dem väterlichen Hauſe ſeines zu Grunde gerichteten Herrn,“ fuhr Engel⸗ trude fort,„ſo trotzig und patzig wie die Ratte im Käſe. Sein Geſchäft beſteht darin, Leute in's Elend zu bringen, die von ihm Hülfe hofften. Iſt irgend ein Bürger verſchuldet oder in's Unglück gerathen, ſo wende er ſich nur in ſeiner Drangſal an Simon, und er wird flugs noch tiefer darin⸗ nen ſtecken. Der Alte hilft ihm im erſten Augenblicke mit ein Paar lumpigen Thalern aus der erſten Noth; aber es dauert nicht lange. Iſt die Friſt der Teufelsverſchreibung abgelaufen, ſo wirft ihn Simon aus der Hütte und verkauft vor ſeinen Augen alles, was ſein war, zur Wiedererlangung ſeines Geldes und der unmenſchlichen Zinſen. Wenn der gute ſelige Rathsherr Wernher ſehen könnte, wie es in ſeinem Hauſe zugeht, im Grabe würde er ſich umkehren. Wenn ich Euch alles erzählen wollte, gnädige Frau, was ſeit dem Ab⸗ ſterben des alten Herrn ſich in dem Hauſe und dem


