¹0⁰
ſchändlichen Eigennutz zum Opfer gebracht wurde. Glaube, daß dieſe Erinnerungen, ſo quälend ſie auch ſind, nur die Zärtlichkeit, welche ich für Dich, für unſern Sohn empfinde, vermehren, ſtatt ſie zu mindern!“
Herbenſtein umarmte das treue Weib und drückte ſie feſt an ſeine Bruſt. Die naſſen Augen hob er gen Himmel, ihm für dieſes ſeltene Geſchenk zu danken.„Wie glücklich machſt Du mich!“ ſprach er entzückt...„Zierde der Weiber! Das Mißgeſchick Deiner Jugend kann Dich nur adeln, nicht beſchimpfen. Denn in der Schule der Widerwärtigkeit haben ſich die Blüthen Deiner Tugenden ſo üppig entfaltet, als die Blume Deiner Schönheit ihr Wachsthum erreicht hat. Ver⸗ gib Du mir, wenn ich in eitler Beſorgniß an Deiner arg⸗ loſen Seele gefrevelt. Nimmer ſoll Dich ein Wort des Zweifels mehr betrüben. Denn Du trägſt die Krone himm⸗ liſcher Reinheit, köſtlicher als Spbillens Fürſtenkrone, die ſchon längſt vom giftigen Hauch der Leidenſchaft erblindet iſt. Der Markgraf iſt zu bedauern, ich, ſein Knecht, be⸗ neidenswerth.“
„Böſer Mann!“ erwiederte Marie verſchämt, indem ſie dem Gatten einen kleinen Schlag auf die Wange gab. „Sprichſt Du alſo von Deiner Gebieterin.“
„Ich wiederhole, was Tauſende vor mir ſagten!“ ſprach Herbenſtein achſelzuckend.
„Können dieſe Taufende nicht gelogen haben,“ fragte Marie ferner,„oder getäuſcht worden ſeyn? Verdamme doch niemals ohne Beweis.“
„Du forderſt Beweiſe?“ rief Herbenſtein eifrig.„Was ſoll der Prinz im Schloſſe? der zweideutige Hausfreund neben dem Gemahl?“


