Deiner Nähe kann nicht Haß, nicht grollender Unmuth be⸗ ſtehen. Du warſt mir vom höchſten Herrn der Welt beſtimmt. Als Dich auf Deiner Pilgerfahrt nach Ulm, die Soldateske der Veſte, die ich damals für den Herzog von Würtemberg befehligte, vor mein Angeſicht brachte, da wurde mir's zu Sinne, bei Deinem Anblick und Deiner ſchmuckloſen Erzäh⸗ lung, als ſeyeſt Du ein guter Geiſt und nicht von dieſer Welt. Du verfolgteſt Dein Ziel; Dein Bild blieb mir aber getren vor der Seele; und hatte meine Ehefrau ſchon längſt durch ihre boshafte Nichtswürdigkeit mein Herz von ſich ge⸗ wendet, ſo entfremdete es ſich ihr nun gänzlich, da es gelernt hatte, ſie mit Dir zu vergleichen. Da ſtarb ſie plötzlich; ihr Vater, ein Hofherr des Herzogs, nahm Aergerniß an meinem Gleichmuth bei dem Trauerfall, ſchwärzte mich an und zwang mich, des Herzogs Kriegsdienſt zu verlaſſen und die Burgauiſchen Farben zu tragen. Alles um mich her batte ſich verändert,.. Dein Bild blieb aber feſt in meinem Gedächtniſſe, und der Tag, an dem ich, auf der Jagd er⸗ müdet, in jener Bauernhütte, die ich, einen friſchen Trunk verlangend, betrat, Dich gefunden, meine Marie, hat mir die Pforte des Paradieſes geöffnet!“
„Iſt es alſo,“ ſprach Marie mit holder Anmuth,„ſo führe nicht das böſe Mißtrauen und den beunruhigenden Zweifel in den Paradieſesgarten! Vertraue mir, und zürne mir nicht, wenn mein Auge hin und wieder trübe wird in der Erinnerung an die Vergehen eines Mannes, der mich entſetzlich getäuſcht hat, und in der Betrachtung ſeines gegenwärtigen Elends! Verzeihe auch der Mutter, die nach einer Reihe von zwölf Jahren ihres Kindes denkt, das von einer heuchleriſchen Wär⸗ terin ihr geſtohlen,.... gewiß mit Leib und Seele einem


