Stande, Deiner über einen Andern zu vergeſſen, Dir ein
Gefühl zu heucheln, und es für einen Zweiten zu empfinden.
O glaube das nicht! Du haſt zu edel, Philipp zu grauſam an mir gehandelt, als daß ich vermögend ſeyn könnte, nur durch einen Gedanken meine Pflichten zu beleidigen. Aber vergib der Schwäche des Weibes, das zum Mindeſten den⸗ jenigen nicht haſſen kann, den es einſt geliebt,.. das Mit⸗ leid mit ſeiner Lage fühlt. Im Ueberfluß erzogen, iſt Phi⸗ lipp durch eine unwürdige Ehefrau um ſeine Ehre und einen großen Theil ſeiner Habe gekommenz... die Verſchwendung ſeines Schwähers hat einen andern, nicht minder bedeuten⸗ den verſchlungen; die Schmeichelkünſte eines alten Wohldie⸗ ners haben ihn um den Reſt ſeiner Güter gebracht. Er lebt fern von der Heimath, vom väterlichen Erbe, einſam und verlaſſen. Ein Fremder erzählt eine Reihe von unglücklichen Begebenheiten, deren Opfer Wernher geworden iſt, und ſpottet ſeines verſchuldeten Elends. Das hat mich verdüſtert, das hat mich bekümmert! Philipp hat mich mißhandelt, mit Füßen getreten, ich liebe ihn nicht mehr; ich muß ihn verachten;... aber ſeine Verirrungen, ſein Unglück flößt mir Mitleid ein. Ich beklage ſein Schickſal!“ „Ja, Du biſt eine Heilige!“ rief Herbenſtein begeiſtert, indem er feierlich die Hand auf ihr Haupt legte und in ihr Auge, wie in einen Himmel ſah....„Du biſt ein mackel⸗ loſes Lamm, das, wie das göttliche, die Sünden der gan⸗ zen Welt auf ſich nehmen und mit übermenſchlicher Milde vergeben würde; ein Verſöhnungsengel, den eine preiswür⸗ dige Vorſehung mir zur Seite ſtellte, auf einer Bahn, in der ich früher mit dem Teufel Hand in Hand gingz... der koſtbarſte Edelſtein in dem Schmucke meines Lebens. In


