Ehe vertraut, boteſt Du der Verfolgten, der Beſchimpften Deine Hand. Ich verweigerte das unſchätzbare Geſchenk, . ſprach von einem Fehltritt, von der Schande, die mich in Ulm zu Boden gedrückt hatte. Du ließeſt aber nicht ab; meinen Fall ſchriebſt Du auf die Rechnung der Jugend und der Verführung; meine Vertreibung aus Ulm ſchilderteſt Du mir als eine ſchändliche Gewaltthat einzelner Böſewichter, von der weder Bürgerſchaft noch Rath das Geringſte ge⸗ wußt.... Deine milde Tugend, das Gefühl, das in meinem Buſen für Dich ſprach, bas Liebe war, indem ich es nur Dankbarkeit nannte... meine Verlaſſenheit... alles vereinte ſich, meine Weigerung zu bekämpfen, und Deines Vaters Stolz zu ſchonen, ſegnete uns der gute Pfarrer Nikolaus heimlich ein, in jener Waldkapelle am Gebirge. Unter ſei⸗ nem Schirme habe ich ein Jahr verlebt, glücklich, ſelig in Deiner Zärtlichkeit und meiner ſtillen Einſamkeit;... dort wurde ich Mutter; dort ward unſers Hermanns Tauffeſt gefeiert; und nicht lange darauf, als Dein Vater geſtorben war, führteſt Du mich hier ein als Deine Gattin, in einen Ueberfluß, den ich nicht gewöhnt war, in ein unverdientes Glück!“
„Wozu dieſe ausführliche Schilderung?“ fragte Herben⸗ ſtein.„Meinſt Du denn, ich hätte vergeſſen, wie es kam, daß ich mein irdiſch Glück gefunden?“
„Geliebter Mann!“ entgegnete Marie mit Wonnethränen: „wohl weiß ich, daß Du mit anſpruchloſer Beſcheidenheit ſtets behauptet haſt, ich ſey die Urheberin Deiner Wohlfahrt, Du nicht der Stifter der meinigen;..— allein ich habe Dir vorgezählt, wie viel ich Dir verdanke, um Dir zu beweiſen, daß ich das herzloſeſte Geſchöpf ſeyn müßte, wäre ich im


