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Dir einſt Deine Barmherzigkeit vergelten, meine heißeſte Liebe vermag es nicht!“
„Du ſprichſt von Liebe?“ verſetzte Herbenſtein mit zar⸗ tem Vorwurf.„Biſt Du auch wahr, indem Du dieſes ſagſt? Wohl bin ich verſucht, an dieſes Gefühl zu glauben, wenn ich von Deinem Arm umſchlungen, in Deinem Blicke mich ſonnend, ein ſtilles Glück genieße, deſſen Schatten ich in meinem erſten Ehebündniß nicht kennen lernte. Um ſo ſchmerzlicher ergreift es mich aber, muß ich ſehen, daß jede Mahnung an das Andenken eines Elenden, der Dich ſeiner Verworfenheit zum Opfer brachte, die Heiterkeit aus Dei⸗ nen Zügen verbannt, um den Schleier der Bekümmerniß varüber zu breiten. Wird denn dieſe Wunde nimmer zu bluten aufhören? Soll denn jener Menſch beſtändig, wie ein böſer Geiſt ſtörend und beängſtigend, zwiſchen unſere Herzen ſich drängen?“
„O mein Hermann!“ ſeufzte Marie an ſeiner Bruſt; „welch ein Verdacht!“
„Ich bin kein argwöhniſcher Spanier, der ſein Weib in eiferſüchtiger Angſt hinter Riegeln und Schlöſſern verwahrt,“ fuhr Herbenſtein fort,„kein tyranniſcher Zwingherr, der die Gedanken ſogar der Gattin zu meiſtern ſich anmaßt! Ich verkenne nicht die Rechte Deiner Empfindung. Du haſt geliebt, innig, wahr, mit unerhörter Hingebung und Auf⸗ opferung! Die erſte Leidenſchaft, die ſich mit Flammenzü⸗ gen dem jugendlichen Gemüthe einprägt, vergißt man nicht ſo leicht;.. hat aber nicht die Zeit eine lange Reihe von Jahren zwiſchen den Verrath, den der treuloſe Geliebte an Deinem Herzen beging, und dieſen Augenblick gepreßt? Haſt Du nicht in der Freundſchaft eines redlichen Gatten Erſatz


