Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 3. Theil (1838) Der Mann und seine Rache
Entstehung
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Edelmanns und will ein Ritter werden!Ei, ei! lachte

Herbenſtein,ſeht einmal den Stolz des Buben! Er will

ſchon vornehmer hinaus, als ſein Vater, der die goldenen Spornen ſelbſt noch nicht empfangen hat. Geh' indeſſen nur hinunter in's Freie. Die kühle Luft ſtärkt die heranwachſen⸗ den Knaben und ziehet ſie groß. Willſt Du Dich nicht mehr mit Matthias und Rupert raufen, ſo ſage dem Stallknecht, ich ließe ihm befehlen, Dir Dein kleines Braunrößlein zu ſatteln und mit Dir herumzureiten bis es zu dunkeln be⸗ ginnt. Da jauchzte Hermann hoch auf, kletterte an dem freundlichen Vater in die Höhe, drückte einen herzhaften Kuß in ſeinen braunen Bart und ſprang, ohne viel auf die Er⸗ mahnungen der Mutter zu hören, welche dem Tollkühnen Vorſicht und Beſonnenheit empfahl, auf und davon. Der Herr von Herbenſtein nahm hierauf, ſeinem Weibe gegen⸗ über, im Erker Platz, faßte ihre Hand, ſah ihr beſorgt in das Antlitz und ſprach mit dem ſanften Ausdrucke, der ihm ſo eigen war und ſo gut anſtand:Was iſt's, geliebte Marie, das Dich verdüſtert? Vermag denn meine zärtliche Liebe, mein unabläſſiges Bemühen nicht, eine beſtändige Heiterkeit in Deine Seele, auf Deine Stirn zu zaubern? Wird es mir nie gelingen, Dir den Frieden zu geben, wie ich doch ſo gerne möchte?

Vortrefflicher Mann! erwiederte die Gattin mit glän⸗ zendem Auge und tief bewegter Stimme,..bedarf ich der Erinnerung, um zu wiſſen, daß ich Alles Dir verdanke? daß ich Deiner Liebe es ſchuldig bin? Du haſt ein Para⸗ dies um mich gepflanzt, als ich auf der öden Haide meines Lebens, troſtlos nach einem Obdach, nach einem Beſchützer und Tröſter die Hände rang. Der Herr der Welt möge