Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 2. Theil (1838) Der Jüngling und sein Kampf mit dem Leben
Entstehung
Einzelbild herunterladen

341

Wiege, in der das Pfand einer glücklichen Ehe ſchlummerte. Könnt Ihr noch zweifeln? noch länger unſer Herz kränken 2.

Archimbald, zu Thränen gerührt, konnte nicht widerſte⸗ hen, und alles wurde ſogleich in Ordnung gebracht; Philipp ſeinen Pflegeältern übergeben, die Botin mit einem reichli⸗ chen Geſchenke und dem bedungnen Zeugniſſe abgefertigt. Nun kam aber die Reihe des Abſchiednehmens an Archim⸗ vald ſelbſt. Das Lebewohl hatte nicht viel Worte, es war deſto herzlicher.

Lieber Herr, flüſterte ihm Hagar noch unter dem Thore zulebt wohl, und erinnert Euch, wenn Ihr zu den Büchſen⸗ meiſtern kommt, des alten Johannes Prapowick. Er iſt mein Vater. Was Ihr ihm thut, thut Ihr dem lieben Gott ſelbſt. Archimbald gelobte es, und enteilte dem Burgraum, in dem er viel glückliche, wenig bittre Stunden verlebt hatte. Mit der Scheu eines Verbrechers floh er an der Markgräfin Pallaſt vorbei. Die Scham verbot es ihm, nach der Ge⸗ liebten zu forſchen, und ſich den Pfeil der Ungewißheit aus der Bruſt zu ziehen. Im Frühroth des nächſten Tages je⸗ doch ritt er, in die kaiſerlichen Farben gekleidet, an der Seite ſeines Ohms und Erlweins, umgeben von bewaffneten Kriegsleuten, an dem Gebäude vorüber, in welchem Iſabelle wohnte. Sein Blick flog nach dem Fenſter hinauf, aus wel⸗ chem ſie ihm oft und freundlich zugewinkt hatte. Nichts zu ſehen, nichts zu hören. Alles todt in dem weiten Hauſe. Verblaſſend lauſchte die Markgräfin hinter den dicht verhüll⸗ ten Scheiben ihres Gemachs, zu denen der kriegeriſche Lärm die kaum dem Lager Entſprungene gelockt hatte. Sie konnte ihren Augen nicht trauen, die ihr den Verhaßten, zu ihrem Verdruſſe dem Tode Entronnenen, im Schmuck des Soldaten