zeigten. Sie mochte aber ihre Sehkraft Lügen ſtrafen wie ſie wollte, es blieb doch Archimbald, der ſtolz und zuver⸗ ſichtlich einem neuen Abſchnitt des Lebens entgegen ging. Durch ein herbes Lvos vom Knaben zum Jüngling erzogen in der Schule bittrer Erfahrung, hatte ihn eine Reihe von demüthigenderen und fürchterlicheren Begebenheiten und Leh⸗ ren frühzeitig zur Reife gebracht. Er hatte einſehen gelernt, daß Eitelkeit, Ränke, Winkelzüge und böſe Leitung auf keine Weiſe zum Guten, wohl aber durch die unvorhergeſehenſte Verkettung der Umſtände und Zufälligkeiten des Lebens zum übelſten Ende ausſchlagen; daß Schande und Verachtung den mit Gold und Anſehen geſchmückten Betrüger verfolgen, während der ſchlichte Handwerker und der Tagelöhner ſein Brod in Zufriedenheit und Ruhe verzehrt,.. daß Klug⸗ heit endlich. welch köſtliche Gabe ſie auch ſey, der Bie⸗ derkeit nur untergeordnet bleibt,... daß dieſe letztere, mit Freimüthigkeit und raſtloſer Thatkraft vereint, den Vollen⸗ dungsſtempel auf den wahren Mann drückt;.. er hatte ſich es ſelbſt zugeſchworen, keinen Finger breit mehr von der Heerſtraße des Rechts abweichen zu wollen. Durch dieſen feierlichen Vorſatz hatte er ſich ſelbſt den Ritterſchlag, die Würde des Mannes ertheilt, und ging mit Ernſt und Ver⸗ trauen in die neugewählte Laufbahn ein.— Wille und Voll⸗ endung! Vorſatz und Erfüllung! Gelübde und Gehorſam! eines aus dem andern folgend! eines von dem andern doch ſo unermeßlich verſchieden! eines wie das andere ſo leicht verletzt! Zerſplittert nicht der ungeheuerſte Eichbaum unter dem wüthenden Andrang des heulenden Orkans? Schmilzt nicht das dichteſte Eis unter den ſtechenden Strahlen der Sonne? Schmiegt ſich nicht das weltenbeherrſchende Eiſen
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2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 2. Theil (1838) Der Jüngling und sein Kampf mit dem Leben
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