gemäßigterem Tone.„Ich vergaß auf einen Augenblick, daß ich ein Sterbender bin. Die Erinnerung an meine Jugend, an meine goldne Lehrzeit hat mich hingeriſſen. Vergebt mir; ich bin ja noch ein ſehr junger Menſch; ich kann mir es vft nicht einbilden, daß es möglich ſey mich jetzt ſchon aus dem Leben zu reißen, wie die junge Pflanze aus dem mütterlichen Boden!“— Hier brachen ſeine Thränen wieder hervor. „Jaſſe Dich,“ tröſtete Hubert.„Iſt es nicht genug, daß ich Dich alſo wieder finde?“„Nicht wahr, lieber Lehrer,“ ſeufzte Archimbald,„Eure Lehren haben treffliche Früchte getragen? Doch nein, beſter Hubert, glaubt nicht, als ob Eure friſchen Zweige taube Sodomsäpfel hervorgebracht hätten! Ich bin unſchuldig, ich ſterbe auf dem Scheiterhaufen, ein unſchul⸗ diger Mann, an dem der ewige Richter keinen Fehl entdecken wird, der des Todes würdig wäre.“„Das habe ich ge⸗ hofft;“ antwortete Hubert.„Man hat Dich abſcheulich miß⸗ braucht, noch abſcheulicher hintergangen, wie ich denke. Hätte ich nur früher.. doch was nützen jetzt die thörichten Wünſche... Erzähle mir, was Dir hier begegnet.“ Ar⸗ chimbald that es; und Hubert hatte alle Urſache, mit ſeiner Aufrichtigkeit zufrieden zu ſeyn. Hierauf ſchüttelte der Mönch mit bedenklichem Lächeln den Kopf und ſprach:„Du biſt in weit ſchlimmern Händen geweſen, als ich wohl fürchtete, mein Sohn. Der Doctor iſt ein böſer Menſch, und die Dankbarkeit, die ich ihm ſchuldig war, weil er mich einſt abhielt, mir das Leben zu nehmen, das ich im Ueberdruſſe von mir werfen wollte, iſt verjährt durch die boshafte Tücke, mit der er mir Deinen Aufenthalt verbarg. Es mögen un⸗ gefähr vier Monden ſeyn, ſeit ich nach Prag kam, und als Prediger mir ſchnell einen guten Namen machte. Wie hätte
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2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 2. Theil (1838) Der Jüngling und sein Kampf mit dem Leben
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