Teil eines Werkes 
2. Band, Der Bastard : eine deutsche Sittengeschichte aus dem Zeitalter Kaiser Rudolph des Zweiten : 2. Theil (1838) Der Jüngling und sein Kampf mit dem Leben
Entstehung
Einzelbild herunterladen

318

Schimpf und Schande zu bringen aus allen Kräften bemüht iſt? Die gleißneriſche Heuchlerin, die die Frechheit beſitzt, ſich einzubilden, ihr mit Schamloſigkeit ausgeſprochenes Be⸗ kenntniß werde mich vermögen, ſie der gerechten Strafe zu entziehen? Falſch gerechnet, Frau von Florenges. Zwar gebietet mir die Sorge für die Ehre unſers Hauſes die Strenge zu mildern, die ich gegen Euch entfalten würde, wäret Ihr nicht ſo glücklich, mit mir verwandt zu ſeyn. Euer Gemahl war mein Vetter. Entehrt Ihr ihn gleich in der Grube, muß ich doch darauf denken, feinem Wappen keinen Makel anzuhängen. Darum verhänge ich eine Strafe über Euch, die nur zu gelinde iſt, weil ſie in der Verbor⸗ genheit Euch auferlegt werden wird. Macht Euch zur Reiſe fertig. DerStallmeiſter Pinzinger, der heute erſt vom Heere kam, und zu meinem Gemahl in die Winterquartiere zurück⸗ geht, wird Euch in ein Kloſter der Büßenden bringen, deſſen Aebtiſſin, meine Freundin, Euch gefangen halten wird, daß nicht das Licht, nicht der Thau des Himmels auf Euch fal⸗ len ſoll. Beweint dort Eure Sünden, und rechnet nicht auf Erlöſung aus jenen Mauern. Macht Euch fertig und unterſteht Euch nicht, mir je wieder vor die Augen zu kommen.

Barmherziger Gott! welch ein Lvos bereitet Ihr mir! ſtöhnte die Erſchöpfte, und ſank auf den Fußteppich.Mein Kind! mein armes Kind! was wird aus meinem Kinde?

Aus dem Baſtard des Baſtards? fragte Sibylle mit höhniſchem Grinſen.Bittet Gott, daß er ihn ſterben laſſe, und Euch bald erlaube ihm zu folgen, damit unſer Geſchlecht wieder zu Ehren komme. Bereitet Euch zur Reiſe!

Die Grauſame, die ſich an den Qualen ihres armen Opfers ſatt geſchwelgt, überließ es, auf dem Fußboden