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„Wie ich von dem Syndicus von Günzburg begleitet, die Straße des Städtleins hinabwandere, um nach dem Wirthshauſe zu gehen, in dem ich mein Roß eingeſtellt hatte, begegnet mir unfern des Thores ein junger, zerlumpter Bettler, hält mir die durchlöcherte Mütze vor, und ſpricht ſehr laut und ſchneidend:„Ein Almoſen, Vetter Thurn⸗ eiſen!““— Ich ſtehe da, wie vom Blitze gerührt, und meine, ich muß in die Erde finken, vor Scham, weil ein abgerißner Landſtörper mich Vetter zu nennen die Keckheit hat.— „„Frecher Burſche!““ rief dem Unverſchämten der Syndicus zu, der meine Verlegenheit wohl wahrnahm,.„„iſt das die Weiſe eincs Bettelmanns? Fordert man alſo ein Schärf⸗ lein um Gotteswillen? Hinweg!““—„Sorgt nicht, lieber Herr,““ antwortete der Bettler.„„Unter Blutsfreunden nimmt man's nicht ſo genau. Nicht wahr, Vetter Thurn⸗ eiſen?““ Bei der Wiederholung der ſchändlichen Anrede blicke ich zornig nach dem Burſchen auf, und ſtehe verdutzt: denn im Augenblicke erkenne ich des Baſtards Züge; und das boshafte Lächeln, welches dem Höllenbraten in den Mund⸗ winkeln ſitzt, macht mich vollends verwirrt. Da der Syn⸗ dicus wahrnimmt, daß ich nicht vermögend ſey, ein armes Wörtlein hervorzubringen, ſo wirft er dem Bettler ſchnell einen Pfennig zu und heißt ihn weiter gehen.„„Vergebt, edler Herr!““ verſetzt der Baſtard hierauf:„Bei Euch habe ich nicht gebettelt, ſondern allein bei meinem Vetter, dem Rathsherrn Thurneiſen. Da nun derſelbe es nicht über ſich gewinnen kann, mir nur mit einem magern: Helf Gott! zu erwiedern, ſo bitte ich Euch, ſchenkt ihm den Pfennig. Er iſt weit ärmer noch als ich; er hat kein Herz.“ Mit dieſen Worten ſchleudert er den Pfeunig in die Krauſe des


