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„Velch ein liſtiger Betrüger!“ ſtotterte Philipp, der die Theilnahme einiger Gäſte bemerkte.„Er macht es ſo natür⸗ lich, als ob er in der That der wäre, für den er ſich aus⸗ gibt. Mich fängt man aber nicht in ſolchen Schlingen.“
„Bruder,“ rief Archimbald, und die Thränen liefen über ſeine Wangen.„Rede nicht alſo, Bruder. Du kennſt mich wohl; und könnteſt Du zweifeln, ſo ſchaue hier auf die Narben meiner Hände. Dieſe Wunden, die ſich nie verwachſen wer⸗ den, riſſen Deine Spornen, als Du mich aus dem Hauſe ſtießeſt. Bei dieſen Wunden beſchwöre ich Dich, ſey barm⸗ herzig. Ich habe nicht Dach, nicht Fach; kein Brod, meinen Hunger zu ſtillen; kein Gewand, meine Blöße zu decken... Nimm mich auf, Bruder! Ich will Dir nicht läſtig fallen. Ich habe Vieles gelernt, ich will für Dich arbeiten. Ge⸗ brauche mich als Schreiber, als Diener, als Laſtträger, ich bin zu allem bereit. Ich bin ein unehelicher Sohn.. ein „ hier ſtockte ſeine Stimme ein Baſtard...z habe nicht die gleichen Rechte, wie Du... aber, Philipp, erinnere Dich wenigſtens, daß ein Vater uns zeugte. Vergib mir den Haß, den ich gegen Dich hatte, ich vergebe Dir alles, was Du mir zu Leid gethan, von Herzen. Mache es wieder gut, indem Du für den Bruder thuſt, worauf ein Frem⸗ der ſo oft Anſpruch macht.“
„Hilft mir denn niemand von dem zudringlichen Lügner?“ rief Philipp, und ſprang erbost auf. Philipp!“ fuhr Archimbald immer ängſtlicher fort,„was thuſt Du? Dein Mund verleugnet mich, Dein Herz hat mich aber doch erkannt. Sey menſchlich! Hier liege ich zu Deinen Füßen, wie damals, als ich Dir die Spornen ablöſen ſollte. Hier kniee ich, und bettle ich, Dein Bruder, bettle


