guter Freund. So lieb es mir wäre, wenn Deine Kunde ſich wahr erfände, ſo gerne ich den armen Archimbald, der in ſtörriſchem Eigenſinne und angeborner Wildheit die Flucht von hier ergriffen hat— ſo gerne ich ihn aufnehmen und pflegen würde.. wäre es auch nur, um die Läſterer Lü⸗ gen zu ſtrafen, die zu behaupten wagten, ich hätte ihn in's Elend gejagt, wohl gar mißhandelt oder ermordet— ſo be⸗ ſtimmt kann ich Dich verſichern, daß Deine Ausſage ohne Grund und der beſagte Jüngling todt iſt. Ich habe Be⸗ weiſe, die mich ſchützen, und bekräftigen, was ich behaupte.“
„Dieſe Beweiſe ſind falſch,“ erwiederte der Fremde kräf⸗ tiger.„Ich bin aber gutes Muths, da ich höre, daß Euer Herz freundlich geſinnt iſt gegen den Bruder... denn ich ich ſelbſt. bin Archimbald.“
Er riß ſich die Binde vom Haupte, die röthlichen Locken rollten golden darunter hervor, die muntern Augen blitzten, der falſche Bart fiel, und ſtatt der bleichen Wange, ſah man in ein geſundes, friſches Antlitz. Die Gäſte fuhren mit einem Laut der Ueberraſchung von den Stühlen auf. Philipp blieb wie erſtarrt auf dem ſeinigen, die weitgeöffneten Augen erſchrocken auf den Jüngling geheftet, der ihm freundlich die Hand bot, und mit mildem Tone alſo anhub:
„Es freut mich, Bruder, Dich in Wonne und Fröhlichkeit zu finden; denn zu ſolchen Zeiten iſt das Herz zum Frieden aufgelegter als zu andern. Nach ſechs Jahren betrete ich wieder Dein Haus, zwar nicht mehr des Vaters ehrwürdige Wohnung, aber doch die Deinige. Von aller Welt verlaſſen, nach einer Wanderung voll Kummer, Hunger und Elend komme ich zu Dir... Gott hat heute mich eintreten laſſen. Du biſt Vater, Dein Sohn iſt heute unter die Gläubigen


